Rund um St. Gallus 2

Folgt man nach dem Verlassen der Kirche der ein Stück unterhalb verlaufenden Gallusstraße, kommt man zum Palais Thurn und Taxis (14), einer heiter-biedermeierlichen Villa mit Gußeisenbalkon an der Eingangsseite, die heute als Künstlerhaus für Wechselausstel¬lungen genutzt wird. Beim Bau des Hauses 1847 wurden die ersten archäologischen Spuren des römischen Brigantium entdeckt, dar¬aufhin einsetzende Ausgrabungen größeren Stils legten eine römi¬sche Nekropole frei, an deren Stelle sich heute die grüne Oase eines Parks mit einem Bestand von hundertjährigen Bäumen ausdehnt, darunter Pyramideneiche, Schlangenfichte und chinesischer Mam¬mutbaum.

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Folgt man der Schloßbergstraße, sieht man bald zur Linken inmit¬ten einer Parklandschaft eine Art Märchenschloß. Tatsächlich ist Schloß Linderhof des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. Vorbild für die Villa Raczynski (15) gewesen. Das vom Architekten Stefan Tragi 1875-77 im Stil Louis-quinze errichtete Palais war die Liebesgabe eines polnischen Grafen an seine Frau. Seit 1904 ist die Villa ein Kloster mit Namen Marienberg, in den noch mit prächtiger Originalausstattung erhaltenen Räumen werden junge Mädchen von Dominikanerinnen unterrichtet, weshalb man das Haus auch nur von außen betrachten kann.
Schnell ist man von hier aus im Grünen, findet sich nach wenigen Minuten inmitten des neuerdings wieder kultivierten städtischen Rebgeländes und entdeckt bei der Raczynski-Ruhe einen wunder¬schönen Aussichtspunkt. Ihm gegenüber bildet der Komplex der heutigen Landesbibliothek (16) einen letzten architektonischen Ak¬zent vor dem Wald und dem Aufstieg zum Gebhardsberg. Die für ei¬nen Benediktinerkonvent errichteten Gebäude mit einer Kirche über dem Grundriß eines kreuzförmigen Zentralbaus stammen von den Architekten Adolf Gaudy (1872-1956) und Otto Mallaun und wur¬den 1910-12 an einen bestehenden Ansitz Babenwohl des 16.Jahr-hunderts angefügt. 36 m hoch steigt die nach dem Vorbild von St. Pe¬ter in Rom errichtete Tambourkuppel empor. Im Innern zeigt der als Teil der Bibliothek zugängliche Kuppelraum bei aller Eindrücklich- keit eine etwas unentschiedene Verbindung von Barock- und Ju¬gendstil-Elementen.
Wo die von hier aus bergab führende Fluher Straße die Gallus¬straße kreuzt, liegt ein ansehnliches Ensemble (17) historischer Bau-ten. Das imposante Weinschlößle (Gallusstr. 46), im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammend, an einem Sandsteinportal 1806 datiert, gilt als schönster Fachwerkbau Österreichs, wozu ergänzend zu sa¬gen ist, daß es Fachwerk nur in Vorarlberg gibt. Hier soll der Bau¬meister Johann Georg Kuen gewohnt haben und der bedeutendste Vorarlberger Bildhauer Franz Anton Kuen 1679 geboren sein. Ein Bauernhaus im Stil eines Rheintalhauses gehört als Ökonomie zu dem anschließenden, angeblich von Michael Kuen 1664 errichteten ehemaligen Siechenhaus (Nr. 50). Über einen hölzernen Verbin¬dungsgang ist dieses Barockgebäude rückwärtig mit dem aus der gleichen Zeit stammenden Badehaus verbunden. Siechenhaus und Siechenkapelle gehen auf eine Stiftung des Minnesängergrafen Hu¬go von Montfort im Jahre 1400 zurück, als Fürsorgeanstalt ist das Siechenhaus seit dem 13. Jahrhundert nachweisbar. Die Kapelle Un¬serer Lieben Frau mit gotischem eingezogenen Chor wurde 1744-46 barockisiert. Im Hochaltar Abraham Baders steht eine als Gnadenbild verehrte schwäbische Muttergottes (um 1450). Der ganze Komplex rund um Kapelle und Siechenhaus ist in eine Gar¬tenanlage mit Goldfischteich eingefügt.
Die weiter abwärts führende Josef-Huter-Straße gilt mit ihrer großbürgerlichen Bebauung als eine der schönsten Straßen von Bre-genz. Die Gestaltung fast des gesamten Straßenzugs wurde ab 1911 Willibald Braun anvertraut, der hier mit viel Holz, Erkern, weiten Dachvorsprüngen und Gesimsen sehr dekorativ Elemente des Hei¬matstils einsetzte.
Entlang der rechts abbiegenden Ölrainstraße lag zwischen dem er¬sten und fünften nachchristlichen Jahrhundert die römische Stadt mit Thermen, Forum, Tempel und Villen. Als hier 1864 mit der Kreuzkirche eine der ersten evangelischen Kirchen Österreichs, eine schlichte Hausteinkirche mit steinernem Turmhelm, errichtet wurde, fand man römische Mauerreste. Von diesen sind heute noch einige in die Friedhofsmauer einbezogen, andere in den Neubau des nahen Altersheims. Auffälliger als diese Reste ist der Neubau eines Wohn¬hauses (16, Haus Nr. 6), errichtet 1994 von den Architekten Baum¬schlager und Eberle. Streng kubisch, auf der einen Seite weitgehend geschlossen und verschindelt, auf der anderen leuchtend gelb mit großen flachen Fensteröffnungen, ragt es mit dem aerodynamisch ge¬formten Bug seines verglasten Treppenhauses hoch über der unten vorbeiführenden Römerstraße auf.
Das Erlebnis des spannenden Kontrasts Antike-Gegenwart kann man wiederholen, wenn man die Römerstraße unterquert. Beim City-Tunnel bedecken die 1990 ergrabenen Reste einer römischen Villa (19) des 1. bis 3. Jahrhunderts, die einst direkt am Ufer lag, ein größeres Areal. Jenseits des brausenden Verkehrs geht es mit dem von Hans Hollein (geb. 1934) in Sichtachse der Stadt entworfenen Verwaltungsbau einer Versicherung wieder zeitgenössisch zu (1991-93). Ein einfacher Kubus mit bogenförmigem Aluminium¬dach wird ergänzt durch seitlich an einen dreieckigen Hof angefügte Wohnbauten mit Pultdach.

Rund um St. Gallus

Vom Thalbach zur Stadtpfarrkirche geht es über die Schloßberg¬straße leicht bergauf. Frei liegt St. Gallus (13) auf einer weiträumi-gen Terrasse, die einst der Friedhof einnahm. Rund um die Kirche gruppieren sich nach Süden zu stattliche barocke Häuser für Mesner und Geistliche. Richtung Osten liegen, an einer Mauer aufgereiht, verschiedene Kleinbauten (um 1670), eine Kapelle, eine Ölberggrot¬te mit bemalten Figuren und eine Bogenhalle. Dieses Ensemble und die besondere Lage über der Stadt und vor dem waldigen Hang ma¬chen diesen Ort zu einem der schönsten Kirchplätze weit und breit.
Aus gutem Grund ist die Stadtpfarrkirche dem heiligen Gallus ge¬weiht, denn sie steht vermutlich an der Stelle der von Gallus und Ko¬lumban zerstört Vorgefundenen und von ihnen neu geweihten Aure- liakirche. Ausgrabungen haben mehrere Fundlagen zutage gebracht, so eine spätrömische des 5. Jahrhunderts und Fundamente sowohl aus früh- wie spätromanischer Zeit. Vor 1380 erfolgten eine grundle¬gende Erweiterung des Schiffs auf die heutigen Maße, ab 1477 schließlich eine Vergrößerung und Gotisierung des Chors mit Drei¬achtelschluß, die Errichtung der darunterliegenden Michaelskapelle und des mächtigen Turms (geweiht 1480). Diese gotische Kirche ist 1737-40 von Franz Anton Beer, dessen repräsentatives Wohnhaus bereits erwähnt wurde, grundlegend umgebaut und danach neu aus¬gestattet worden. Das Eindrucksvollste am Außenbau ist der Turm, ein mächtiges dreigeschossiges Geviert, gotisch bis einschließlich des Glockengeschosses mit seinen Maßwerköffnungen. Darüber je¬doch ist er barockisiert mit einem charaktervollen geschweiften Gie¬bel, mit Kugel- und Obeliskenaufsätzen und einer Laterne – verant¬wortlicher Baumeister: Michael Kuen, 1673. Unten öffnet der Turm sich spitzbogig in eine hohe Vorhalle, in der zwei pathetische Figu¬ren der Heiligen Petrus und Paulus von Johann Joseph Christian aus der Mehrerau (1740) ahnen lassen, was mit dem Abbruch der dorti¬gen Kirche 1808 verlorenging (s. S. 261f.).

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Das saalartige Innere wirkt weiträumig, in der Höhe aber eher ge- drückt mit seiner flachen Stichkappentonne. Zartfarbiger Stuck des Wessobrunner Meisters Abraham Bader (1746) paßt sich der archi¬tektonischen Gliederung an. Er betont Fensterzone, Decke und die Übergänge zu Chor und Seitenschiffen, reich an Muschel- und Git¬terwerk sowie Putten. Kartuschen begrenzen die kleinformatigen Deckenbilder des Riedlinger Malers Joseph Ignaz Wegscheider (1738). Sie zeigen zwischen Chor und Eingang eine Himmelfahrt Christi, den Heiligen Geist mit Engeln, eine Himmelfahrt Mariens und das Herz Jesu, dazu als Grisaillen die Evangelisten in den Stich¬kappen. Von Bader stammt auch der Stuckmarmoraufbau des Hoch-altars (1746). Das Altarblatt einer Anbetung der Hirten (1740) ist ein gutes Werk Franz Georg Herrmanns. Eine der Hirtinnen trägt die Züge von Kaiserin Maria Theresia, die 1500 Gulden für den Altar ge¬stiftet hat. Von den Figuren Johann Georg Brems ist vor allem der heilige Gallus mit seinem wehenden Gewand sehr eindrucksvoll.
Wiederum aus Mehrerau stammt der schönste Schmuck des Chor¬raums, das 1742 Johann Joseph Christian in Auftrag gegebene, von Klemens Seehuber und Josef Hofer 1746 vollendete Chorgestühl. Seine Banknocken sind reich geschnitzt, die senkrechten Teile kunst¬voll intarsiert und an der Rückwand mit den Heiligen und Seligen des Benediktinerordens geschmückt, die in Zinn eingelegte Schriftbän¬der halten. Reliefs eines einst zum Hauptaltar gehörenden Silber¬altars, Stiftung der Familie Deuring um 1750, sind mit ihren Eben¬holzrahmen heute in den Volksaltar integriert. Von den vier von An¬dreas Bentele geschaffenen Seitenaltären (1750-65) rahmt derjenige am linken Chorbogen eine anmutige Madonna (um 1430), die dem Meister des Riedholzer Altars zugeschrieben wird. Der gleiche Bente¬le hat gemeinsam mit Johann Wilhelm Hegenauer die Kanzel ge¬schaffen. Putten halten die Symbole für Eucharistie: Glaube, Liebe und Hoffnung. Ein schweres Pathos bewegt die Figur des heiligen Paulus auf dem Schalldeckel, die ein Werk Franz Anton Kuens (1679-1742) von 1740 ist. Im Gehäuse der Orgel aus dem Rokoko hat ein modernes Orgelwerk das letzte Werk des berühmten Josef Ga¬bler von 1771 ersetzen müssen. Orgelkonzerte finden hier regelmäßig statt und auch die Eröffnungsmessen der Bregenzer Festspiele.

Zwischen See und Oberstadt 3

In dem an mittelalterlichen Kunstwerken nicht sehr reich geseg¬neten Vorarlberg ist die mit Wandmalerei geschmückte Martinska- pelle eine Kostbarkeit. Das Langhaus, das man durch ein von einer barocken Figur bekröntes Portal betritt, wurde 1701 durch Umbau eines Wohnhauses der Kapelle im Turm angefügt, die damit zu des¬sen Chorraum wurde. Die ältesten Malereien (um 1340) befinden sich an der ursprünglichen Altarnische und der rechts anschließen-den Seitenwand. Sie sind am schlechtesten erhalten und lassen ei¬nen Gnadenstuhl und Evangelisten erkennen, rechts oben eine schwer deutbare Szene mit einem König und einer Teufelin mit Krähenfüßen und Klauenfingern. Etwa 20 Jahre später wurde die Ausmalung auf die nunmehr erweiterte Kapelle ausgedehnt, die sich an Nord- und Ostwand ziemlich einheitlich mit mehreren christolo- gischen Szenen, ergänzt durch Andachts- und Votivbilder, präsen¬tiert. Ausgesprochen selten ist das Motiv der schwangeren Maria an der linken Seitenwand. Abgehoben vom müden >Nährvater< Joseph, den ein Engel im Traum ermahnt, Maria nicht zu verlassen, thront sie auf einem Architekturgebildc, das die Gottesmutter wohl symbol¬haft als >uneinnehmbaren Turnn darstellt. Unter ihr kniet in einer Nische ein Stifter, zwei weitere Stifterbilder befinden sich an der Stirnwand, von denen das linke den Stifter Wilhelm von Montfort benennt und das seltene Glück einer Datierung der Ausmalung >1363< gewährt. Zeigen die meisten Bilder eine einfache Reihung der Figuren, wird bei der schwangeren Maria, aber auch bei den Heiligen Martin und Georg das Bemühen um Räumlichkeit der Komposition und Modellierung der Figuren spürbar. Dies alles wirkt nach der Re-staurierung 1997/98 prächtiger denn je, und die Farben leuchten, vor allem ein intensives, zum Türkis tendierendes Blau. Die Malerei¬en werden verschiedenen, bald als schwäbisch, bald als elsässisch bczeichneten Künstlern zugeschrieben. Während zwei gotische Sakramentshäuschen (1497/98) Importe aus Egg im Bregenzerwald sind, stammt die weitere Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert. Der so geschmückte Raum ist verständlicherweise eine beliebte Hoch¬zeitskirche.

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Im Sommer ist der Martinsplatz ein stimmungsvolles Ambiente für Freilichtaufführungen im Rahmen der Bregenzer Festspiele und für Serenaden der Wiener Symphoniker. Entlang der Martinsgasse und der anschließenden Graf-Wilhelm-Straße ziehen sich kleine Wohn¬häuser die Stadtmauer entlang. Nur zur Rechten steht auffällig ein dreigeschossiger Fachwerkbau mit bemalten Fensterläden, den Michael Kuen 1662, allerdings in den >altmodischen< Formen des 16. Jahrhunderts, als ein überdimensioniertes Rheintalhaus errichtete. Im 19. Jahrhundert ist er als Wohnung des Ratsdieners Teil eines großen, inzwischen abgerissenen Rathauskomplexes gewesen. Das gegenüber¬liegende, aus dem 15. Jahrhundert stammende Haus ist das ehemalige Gesellenspital. Ein durch ein Dach geschütztes Wandbild zeigt einen Abt, Heilige und die Wappen von Bregenz, Montfort und Toggenburg und ist leider eine Rekonstruktion.
Wo einst die Burg der Grafen von Bregenz und das Obertor stan¬den, liegt seit 1857 das ehemalige Gefangenenhaus (10). Diese Funktion, die durch original erhaltene Zellen dokumentiert wird, hatte die im k.u.k. Festungsstil errichtete Dreiflügelanlage bis 1975. Zögernd entschloß man sich zur Restaurierung (1997) des mit Erin¬nerungen belasteten Gebäudes, in dem während des Dritten Reichs aus politischen und ethnischen Gründen Inhaftierte untergebracht waren. Heute arbeitet hier das Bundesdenkmalamt für Vorarlberg.
Das Deuringschlößchen (11) am Ende der Georgenschildstraße, das in drei Flügeln einen malerischen, von einer Linde beschatteten Hof umgibt, entstand in heutiger Form um 1660-90 als Wohnsitz des Patriziers Albert von Deuring und bezieht einen der vier runden Ecktürme der Stadtbefestigung ein, außerdem, wie die niedrigen Durchgänge im Hof zeigen, auch weitere mittelalterliche Bausub¬stanz. Nur der turmartige Anbau zur Linken entstand im 19. Jahr¬hundert. Schön sind die Rundbogenportale – das größte zeigt das Deuringwappen – und die barocken Rollwerk-Malereien rund um die Fenster. Seit 1989 ist das Schlößchen ein Hotel mit einem stim¬mungsvollen Weinkeller. Den schönsten Blick hat man übrigens im Herbst und Winter von der jenseits des Taleinschnitts liegenden Ka¬puzinerbalustrade. Von hier aus mag Egon Schiele 1912 das Deu¬ringschlößchen gemalt haben (Sammlung Leopold, Wien).
Eine nach dem Schriftsteller Alfred Meißner (1822-85) benannte Stiege führt links des Schlößchens ins Tal. Wer noch etwas Energie hat, könnte einen kleinen Abstecher zu dem in den Grund des Thal¬bachtals eingebetteten gleichnamigen ehemaligen Dominikanerin¬nenkloster (12, heute im Besitz der Glaubensgemeinschaft >Das Werl«) unternehmen. Der Konvent, der der Straße seine sehr schlichte Fassade zuwendet, in der nur das Hauptportal mit Gau- penaufsatz und der Nischenfigur eines heiligen Dominikus (um 1800) hervorgehoben ist, wurde von Michael Thumb und Michael Kuen 1677 erbaut. Sie haben auch die schlicht ohne Schaufront im Ostflügel eingefügte Kirche St. Antonius umgebaut, ursprünglich ein Werk Domenico Pratos von 1610. Der jenseits der Nonnenempore nur zweijochige Raum ist kostbar ausgestattet. Am auffälligsten ist eine aus der Mehrerau stammende überlebensgroße thronende Mut¬tergottes mit Kind (Anfang 14. Jahrhundert), die in ihrer hieratischen Strenge, ihrer Frontalität großartig, aber etwas fremd im Kreise der sonst so lieblichen Bodenseemadonnen dieser Zeit steht. Ein Kruzi¬fix an der linken Chorwand (um 1450), eine Pieta im Mittelschiff (um 1480) sind gute schwäbische Arbeiten, das barocke Bild eines heiligen Dominikus an der rechten Seite des Chorbogens stammt von dem emsigen Matthäus Zchender 1689.

Zwischen See und Oberstadt 2

Das große zurückliegende Gebäude mit dem diskreten Charme der 50er Jahre ist das Vorarlberger Landesmuseum (5). Hier hat man Fundstücke aus den Grabungen im römischen Brigantium ge¬sammelt, dazu mittelalterliche und barocke Kunstwerke aus den vie¬len Kirchen und Kapellen im Land, die im 19. und 20. Jahrhundert erweitert und erneuert wurden. Hier steht mit Wolf Hubers (um 1485-1553) Annenaltar von 1521 ein Werk eines der zahlreichen Vorarlberger Künstler, die vor allem außerhalb des Landes zu Ruhm und Ehren gekommen sind. Und hier finden wir Werke der Bregen- zerwälderin Angelika Kauffmann, die nach wenigen Kostproben ih¬rer Kunst in Schwarzenberg und Tettnang ihr weiteres Leben im Kreis deutscher Klassiker in Rom und in England verbracht hat. Zu sehen sind hier außer Beispielen regionaler Bürger- und Volkskultur auch Arbeiten der im Ausland – oft zu Unrecht – wenig bekannten heimischen Künstler wie etwa Rudolf Wacker.

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Das an der Ecke liegende Rathaus (6) war 1686 von Johann Georg Kuen als Lagerhaus erbaut, 1810 zu seiner heutigen Funktion be¬stimmt worden. 1898 hat man ihm eine stattliche Neurenaissance- Fassade mit geschweiftem Giebel und Zwiebelturm gegeben. Mosaik¬bilder zeigen Porträts österreichischer Herrscher über Vorarlberg. Wand an Wand ist dem Rathaus 1696/98 nach Plänen Christian Thumbs die Seekapelle (7) angebaut worden. Als man 1445 einen er¬sten Bau zur Erinnerung an den Sieg über die Appenzeller anno 1408 errichtete, reichte der See noch bis an ihre Mauern. Außen schlicht verputzt, mit Achteckturm am Chor, ist sie auch innen einfach und lohnt vor allem wegen der Ausstattung einen Besuch. Der Hochaltar im halbrund eingezogenen Chor stammt aus Schloß Hofen in Lochau. Eine Dreifaltigkeit aus Christus im Mittelteil, Gottvater und Taube des Heiligen Geistes im Auszug wurde 1615 wohl von der Lin- dauer Werkstatt Esaias Grubers d. J. (1561-um 1630) zu einem der seltenen Spätrenaissance-Altäre Vorarlbergs zusammengefügt. Einbe¬zogen sind spätgotische, um 1515 vermutlich in Flandern entstande¬ne kleine Reliefs mit Passionsszenen. Die Seekapelle bewahrt von diesen nur Gipsabdrücke, die Originale sind nebenan im Landesmu-seum. Der linke Seitenaltar rahmt in schönem schwarz-goldenen Aufbau Bilder von Auferstehung und Kreuzigung Christi (um 1700). Das rechte Seitenaltarbild (1698) mit einer Muttergottes vor mehre¬ren Heiligen von Philipp Albert Zehender (geb. 1646) stand ur¬sprünglich im Chor.
Noch weiter landeinwärts stand das Wasser des Sees zur Römer¬zeit. Wo heute am Leutbühel Passanten flanieren und in Straßen-cafes sitzen, landeten vor 1600 Jahren Schiffe im spätrömischen Kriegshafen. Dessen Mole und Mauern wurden vor einigen Jahren erst ausgegraben, dann wieder eingegraben. Noch vor dem Brunnen kann man links in die Anton-Schneider-Straße einbiegen, in deren Bebauung, auch wenn sie überwiegend aus dem späten 19. Jahrhun¬dert stammt, in kleinem Maßstab Alt-Bregenz zu erahnen ist. Oder man geht weiter in Fortsetzung der Rathausstraße durch die Deu- ringstraße und gelangt, links abbiegend, in die Belruptstraße mit ihren Bauten aus der Gründerzeit um 1890. Von dort aus hat man ei¬nen großartigen Blick auf die Doppelturmfassade der Herz-Jesu- Kirche (8), deren spitze Turmhelme auch von weitem die Bregenzer Dachlandschaft vor dem waldigen Hintergrund des Pfänderhangs überragen. Der größte neugotische Bau Vorarlbergs zeigt perfekteste Backsteingotik. Nach außen öffnen sich drei Spitzbogenportale, ei¬ne mächtige Rose im Mittelteil und spitzbogige, gekoppelte Fenster im Turm mit steilen Schallöffnungen im Glockengeschoß. Die 1905-08 von dem Stuttgarter Architekten Joseph Cades (1855-1943) errichtete dreischiffige Basilika mit Querschiff und weiträumigem Chor ist auch im Innern bis in die Proportionen kon¬sequent durchgestaltet. So steigen die Kreuzrippengewölbe des Mit¬telschiffs zur doppelten Höhe derjenigen der Seitenschiffe auf. Der warme Farbton des roten Backsteins und das bunte Licht der Glas- fenstcr (1958) Martin Häusles (1903-66) harmonisieren sehr ange¬nehm die strenge Perfektion der Architektur.
In die Oberstadt gelangt man nicht über die Deuringstraße, son¬dern über die parallel verlaufende Maurachgasse, die sich bald in Treppen und einem mit Kopfstein gepflasterten Weg fortsetzt. Das von Sandsteinquadern eingefaßte Untertor (13. Jahrhundert), über dem die Kopie eines Reliefs mit der keltisch-römischen Pferdegöttin Epona eingemauert ist – das Original befindet sich im Landesmuseum – wirkt mit seinem (erneuerten) Fallgitter, mit Wappen und Rechtsal¬tertümern als Einlaß ins Mittelalter.
Hinter dem Tor liegt die Oberstadt als ein leicht überschaubares Gebiet, dem man die planmäßige Anlage noch ansieht: ein regel¬mäßiges Rechteck, noch heute dreiseitig von zumeist überbauten Mauern umschlossen, mit einer breiten und zwei schmaleren paral¬lelen Gassen. Der Grund und Boden war ursprünglich in 60 gleich große Hofstätten für Haus, Hof, Stall und Kräutergarten unterteilt. Die Oberstadt ist eine Gründung der Grafen von Montfort nach dem Vorbild Tübingens, denn was die Montforter als Grafen von Bregenz besaßen, stammte aus der Erbteilung der Pfalzgrafen von Tübingen. Es ist das Tübinger Wappen, das diese übernahmen und das Vorarl¬berg heute noch als Landeswappen führt.
Das Wahrzeichen von Bregenz, den Martinsturm (9), findet man, links hinter dem Tor abbiegend, an einem stillen Platz an der Stadt¬mauer, die er einst als einer der vier Befestigungstürme sichern half. Anfangs diente er als Getreidespeicher, 1362 wurde im oberen Ge¬schoß eine Kapelle als Erweiterung eines schon einige Jahre zuvor bestehenden >Chörleins< eingerichtet, 1599-1601 erhielt er die heu¬tige Gestalt. Der Graubündner Baumeister Benedetto Prato erhöhte den Turm um eine Loggia mit allseitig drei Bogenarkaden auf Säulen sowie eleganter Balusterbrüstung und setzte ihm eine mächtige Turmzwiebel auf, die gern als die größte Mitteleuropas bezeichnet wird. Mit dieser Bekrönung datiert man den Beginn des Barock am Bodensee. Wer die phantastische Aussicht von oben genießen will, wird erst einmal durch ein auf zwei Etagen eingerichtetes Militärmu¬seum geführt.

Zwischen See und Oberstadt

Beginnt man den Rundgang am Bahnhof, sieht man erst einmal auf ei¬ne zwischen Bauten der Jahrhundertwende und der Gegenwart rasch sich wandelnde Seefront. Das mächtige Gebäude des Alten Landhau¬ses (1), der heutigen Hypothekenbank an der Bahnhofstraße, war der erste repräsentative Bau einer Landesregierung der Ersten Republik nach dem Zerfall der Donaumonarchie im Bundesland Vorarlberg. Für die Architekturgeschichte der Zwischenkriegszeit ein Unikum: ein rein historisierender Baukörper mit Kolossalordnung, ionischen Säu¬len und einem gewaltigen Dreiecksgiebel. Der Architekt Willibald Braun (1882-1969), ein Anhänger Theodor Fischers in Stuttgart und des Deutschen Werkbunds, hat sich damit 1921/22 für zahlreiche Bauaufgaben, allerdings moderneren Charakters, in Bregenz empfoh¬len. Da ist der Historismus der ein paar 100 m entfernt liegenden Post mit ihren monumentalen Formen im Stil der Neurenaissance von Friedrich Setz (1895) ein echteres Kind seiner Zeit.

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Doch zwischen den monumentalen Verwaltungsbauten liegt die Sensation von 1997, das neue Kunsthaus Bregenz (2, KUB). Es ist der erste größere Museumsbau Österreichs seit 1898, seit Olbrichs Haus der Wiener Sezession, und wie dieses ein Solitär. Das Kunst¬haus ist ein quadratischer Würfel, 30 m hoch, sockellos, fensterlos, nach außen abgeschlossen durch eine Haut aus mattem, geätztem Glas, geschuppt wie ein »leicht gesträubtes Gefieder«. Und hinter der Fassade liegt die raffinierte Konstruktion: drei Wandscheiben aus Stahlbeton, parallel zur Außenhaut gestellt, tragen Decken und Dach. Rückwärts ist ihm, schlicht wie eine Schachtel, ein tief¬schwarzer Anbau für Verwaltung und Cafe angeschoben, den im Sommer blendend weiße Markisen aufhellen. Dem Schweizer Ar¬chitekten Peter Zumthor ist hier gelungen, das scheinbar Unver¬einbare zu verbinden: Nüchternheit und Aura, Funktionalität und die Feierlichkeit eines Kunsttempels. Kunst gesammelt wird hier in Bregenz nur nebenbei, statt dessen gibt es wechselnde Ausstellun¬gen zu zeitgenössischer Kunst im Spannungsfeld von Architektur und Design.
So verschlossen sich das KUB seeseitig gibt, so kommunikativ ist cs zur Stadt hin. Hier umgibt es ein kleiner Platz, hier stellt das Cafe Stühle ins Freie. Im kleinteiligeren Ensemble der Kornmarktstraße hat es Nachbarn ganz anderer Art. Klein, rund, mit Halbkreiskuppel und zierlicher Laterne steht hier die dem Patron der Fischer und Fuhrleute geweihte Nepomukkapelle, auch Haasenkapelle (3) ge¬nannt nach ihrem Stifter Dr. Haase. Dem Baumeister Johann Micha¬el Beer (1757) zugeschrieben, steht sie für den im Werk der Vorarl¬berger eher ungewohnten Fall eines Zentralbaus ohne symmetrische Anfügungen. Gegliedert ist sie außen durch flache Pilaster und Rund¬bogen und eine Nische mit der ausdrucksvollen Figur des heiligen Jo¬hannes Nepomuk, wohl von Johann Joseph Christian aus Riedlingen (1706-77), und im Innern durch gemalte Pilaster und Fensterrah-mungen. Szenen zum Leben des Heiligen zeigen die Malereien Jo¬seph Ignaz Wegscheiders (1704-58/60) in Gewölbe und Rocaillekar- tuschen. Der Hochaltar der insgesamt anspruchsvollen Ausstattung mit einer Darstellung des Johannes Nepomuk stammt von Franz Lud¬wig Herrmann (1759).
Die hohe Selbsteinschätzung eines Barockbaumeisters zeigt das stattliche Wohnhaus, das Franz Anton Beer 1720 für sich errichten konnte. Zwei Rundbogentore zwischen doppelter Pilasterstellung mit darüberstehenden Nischenfiguren (wohl von Franz Anton Kuen) und Eckpilastern sind beispielhaft für einen repräsentativen ba¬rocken Profanbau. Ein paar Schritte weiter hinter einer Vorhalle mit hohen rundbogigen Arkadenöffnungen liegt das Theater am Korn¬markt (4), Heimat des Theaters für Vorarlberg, des einzigen Be¬rufstheaters im Land, das nicht nur in Bregenz, sondern überall in Vorarlberg auftritt. In der Frühzeit der Bregenzer Festspiele fanden hier berühmte Erstaufführungen moderner Stücke statt und große Konzerte. Das Gebäude, 1955 durch Vater und Sohn Willibald Braun umgebaut und seeseitig durch ein hohes Bühnenhaus ergänzt, war 1838 von Josef Hirn als Kornhaus in klassizistischem Stil errich¬tet worden. Neben ihm weitet sich die Straße zum Kornmarktplatz, als >Vatzenwasen< einst Mittelpunkt Bregenzer Wirtschaftslebens, Umschlagplatz für Getreide aus Oberschwaben für das Vorarlberger und Graubündner Bergland. Zumindest der Wochenmarkt findet hier heute noch dienstags und freitags am Vormittag statt.

Bregenz

Bregenz ist eine schöne Stadt. In weitem Bogen zieht sie sich am Ufer entlang, und ebenfalls im Bogen die Stadt umfangend steigt hin¬ter ihr der Pfänder bis auf eine Höhe von 1064 m hinauf. Kuppeln und Kirchtürme und kaum je moderne Hochbauten formen ihre Sil¬houette. Das Zentrum ist überschaubar. Hier liegen Museen und Kunsthaus, die wichtigsten Einkaufsstraßen, gute Restaurants und Cafes. In ein paar Minuten ist man in der idyllischen Oberstadt. Ei¬gentlich fast alles ist hier gut zu Fuß zu erreichen, schnell ist man an der grünen Peripherie. Und es gibt eine markierte Route für Radfah¬rer und den Stadtbus. Der schlimmste Verkehr, sieht man von der See und Stadt trennenden Eisenbahn und der Seestraße ab, wird seit dem Bau des Pfändertunnels 1980 und des City-Tunnels 1984 nicht mehr durch die Stadt geführt.

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Bregenz ist eine Stadt mit viel Vergangenheit, und sie ist die älteste am See. Ein keltisches Brigantion fanden die Römer schon vor, als sic 15 v. Chr. hierher kamen und eine zunächst rein zivile Siedlung für Handel und Gewerbe gründeten. Mit Forum, Thermen, Basilika und Tempelbezirken erstreckte sie sich entlang der 30 m über dem See ge¬legenen Ölrainterrasse. Erst die näherrückenden Alemannen erzwan¬gen im 3. nachchristlichen Jahrhundert einen kastellartigen Ausbau der Oberstadt und eines Kriegshafens am See. Dieses Kastell ist bruch¬los in das mittelalterliche Bregenz übergegangen. Die reiche und schö¬ne Siedlung am See, Ende des 5. Jahrhunderts in alemannischer Hand, fanden Gallus und Kolumban, als sie um 610 hier wenig erfolgreich missionierten, verödet vor.
300 Jahre später war Bregenz unter der Herrschaft der Udalriche zum politischen Zentrum eines Gebiets geworden, das etwa so groß war wie Vorarlberg. Deren Nachfolger, die Grafen von Bregenz, die sich bald darauf >von Montfort< nannten, um ihre Stärke hervorzu¬heben, gründeten Bregenz um 1200 ein zweites Mal und machten es zur Stadt. Doch den Schwerpunkt ihrer Herrschaft verlegten sie nach Feldkirch, ihr Erbe verlor durch Teilung immer mehr Bedeu¬tung, schließlich teilten 1409 Hugo der Minnesänger und sein Neffe sogar die Stadt Bregenz, die erst unter Habsburg 1532 wieder zur Einheit fand. In 300 Jahren Montfort-Herrschaft ist Bregenz weder eine stattliche Residenz noch eine freie Kommune geworden. Erst 1511 wurde ihm ein Rathaus gestattet. Wirtschaftlich blieb die Stadt randständig, die Handelswege nach Italien führten von Lindau an ihr vorbei direkt nach Fußach. Wenn sie nach dem Dreißigjährigen Krieg eine gewisse Blüte erlebte, so verdankte sie diese einer neuen Schlüsselrolle im Kornhandel zwischen Oberschwaben und den Berggebieten und der politischen Rolle als römisch-katholische Fe¬stung in Sichtweite der evangelischen Reichsstadt Lindau. Das Stadtbild zeigt es, der neue Militär- und Beamtenadel baute barock.
Bis zur Anerkennung Vorarlbergs als eigenes Land sollte es bis 1861 dauern, bis zum Aufstieg von Bregenz zur Landeshauptstadt sogar bis 1918. Am Stadtbild ist auch die weitere Entwicklung abzu¬lesen: Ein erster wirtschaftlicher Aufschwung kam mit der Eröffnung der Arlberg-Bahn 1884. Schlagartig wurde Bregenz für deutsche und schweizerische Unternehmen zum Einfallstor für den weiten Markt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Industriezonen entstan¬den, Historismus, Jugendstil und Heimatstilbewegung prägten ganze Viertel. Ein zweiter Aufschwung folgte nach 1945, der Bregenz zur Hauptstadt eines >Musterländles< machte.
Bregenz ist also eine junge Landeshauptstadt. Es ist eine kleine Hauptstadt mit knapp 30 000 Einwohnern, und es fehlen ihr so man¬che Einrichtungen, die politische Zentren im allgemeinen besitzen. Dornbirn ist größer und reicher, in Feldkirch sitzen der Bischof, die Handelskammer und das Landesgericht, eine Universität gibt es we¬der hier noch dort. Im Verhältnis zu Österreich liegt Bregenz an der Peripherie. Was heute ihr über die Grenzen bekanntes Bild definiert, ist die Kultur. In Bregenz befinden sich das Landestheater für Vorarl¬berg, die Bregenzer Festspiele, das Landesmuseum, das Landesar¬chiv, die Landesbibliothek, das Künstlerhaus Thurn und Taxis, ver¬schiedene Galerien und seit 1997 das Kunsthaus Bregenz.

Zwischen Lindau und Bregenz – bergauf und bergab 2

Parallel zur deutschen Grenze und zum Grenzflüßchen Leiblach zieht sich der Ort Hörbranz an langsam steigender Straße in grüner, welliger Landschaft dahin. Noch in der Ebene behauptet sich ka¬stellartig das ehemalige Salvatorianer-Kolleg, 16 Achsen lang, fünf Achsen breit. Im Westen ist es mit zwei, oben in Galerien sich öff¬nenden Eckturmrisaliten, im Norden mit einem campanileartigen Turm akzentuiert. Das ganze Gebäude mit Rundbogenfenstern und -blendfriesen ist ein Exempel monumentaler Neuromanik des Schweizer Architekten August Hardegger (1903/04).
In dem weiter oberhalb auf einem Moränenkegel gelegenen Kirch¬dorf ist in einigen Rheintalhäusern noch etwas Altbausubstanz er¬halten. Die Pfarrkirche St. Martin, von außen ein einfach und klar gegliederter spätklassizistischer Bau (1850-55), besitzt eine bemer¬kenswerte Ausstattung. Der prächtige Rokoko-Hochaltar stammt aus dem Kloster St. Anna in Bregenz (um 1787), sein Altarbild mit der Darstellung der Heiligen Sippe sowie das Auszugsbild mit der Stigmatisierung des heiligen Franz kommen aus dem Kloster Meh- rcrau (1764) und sind hervorragende Arbeiten des fürstbischöflich- konstanzischen Hofmalers Franz Ludwig Herrmann. Die von Wes- sobrunner Stukkateuren geschaffenen Seitenaltäre hat Anton Jehly (1860-1928) mit nazarenisch gestimmten Bildern des Herzens Jesu und der Glorie des heiligen Martin ausgestattet (1886). Ein fremdar¬tiger Zauber geht von einem in schweren dunklen Farben gehaltenen Bild an der linken Mittelschiffswand aus, einer Verkündigung an Maria. Die Begegnung der anmutigen Figuren der Jungfrau und des Engels findet in einer Art Loggia statt, die man sich auf dem Dach ei¬nes italienischen Palazzo denken könnte. Eine fast gleich große Ta¬fel, auf der zwei bewegte Engelsfiguren eine Schriftkartusche halten, erklärt das Bild als Kopie des Cristofano Allori (1577-1627) von 1619 nach dem berühmten Gnadenbild von 1252, das in einer Über¬malung des 14. Jahrhunderts im Tabernakel von SS. Annunziata in Florenz aufbewahrt wird.
Nur wenig nördlich liegt, aus Weilern und Einzelhöfen zusam¬mengesetzt, Hohenweiler. Zum Ort gehört die von Wiesen, Feldern und Obstkulturen umgebene Zisterzienserinnenabtei Mariastern/ Gzviggen, Adelssitz seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts, unter Hie¬ronymus Furtenweiler 1524-55 mit einem schönen Herrenhaus be¬baut. Der dreigeschossige Satteldachbau mit später angefügtem Zwerchgiebel liegt im Süden der Anlage, davor steht ein großer Öko¬nomiekomplex. 1856/61 entstand hier das Zisterzienserinnen- kloster, das heute noch von Nonnen bewohnt wird. Seine 1895/96 von Abt Laurentius Wocher erbaute Kirche ist ein neuromanisch mit Lisenen und Rundbogenfriesen gegliederter Bau, zweigeschossig über grauem Sandsteinsockel, mit Satteldach und kleinem Dachrei¬ter. Vor allem im Innern zeigt er beachtliche Qualitäten. Der basili- kale, im Mittelschiff leicht erhöhte dreischiffige Raum öffnet sich auf zwei Ebenen in pfeilergestützten Rundbogenarkaden und schließt mit einem halbrunden Chor und flach gerundeten Apsiden an den Seitenschiffen. Lichtgraue Sandsteinpfeiler, weiße Arkaden und der warme Holzton von Brüstung und Flachdecke betonen die klaren Strukturen des Raums, die die sparsam gesetzte Ausstattung nur noch mehr hervorhebt. Eine barocke Figurengruppe aus Kruzifix und Mater Dolorosa (um 1630) wirkt fast filigran im hellen Chor, und ähnlich schwerelos scheinen die weiß-golden gefaßten Figuren der Heiligen Benedikt und Bernhard von Wilhelm Hcgenauer (1753) in den seitlichen Apsiden.
Bei der leicht erhöht liegenden Pfarrkirche St. Georg verdichtet sich die Siedlung Hohenweiler mit ein paar schönen Bauernhäusern und einem stattlichen Pfarrhaus (um 1800). Die einfache, um 1481 erbaute, später mehrfach vergrößerte Kirche ist ein schlichter, flach¬gedeckter Saalraum mit eingezogenem Chor. Sie besitzt am Chorbo¬gen Wandmalerei aus der Zeit um 1480 – Reste eines Passionszyklus und die Einzelfigur eines heiligen Nikolaus. Gebhard Fugei (s. S. 169) hat um 1920 die Decke mit drei Szenen in romantisch-realisti¬schem Stil bemalt. Sie zeigen in Altarnähe ein feierliches Abend¬mahl, im Schiff die Szenen Christus und die Kinder und die Anbe¬tung der Hirten. Personen in landesüblicher Kleidung und die Bo¬denseelandschaft als Hintergrund geben einen freundlich-volkstüm¬lichen Reiz. Der in Vorarlberg vielbeschäftigte Matthäus Zehender (1641-97) aus Mergentheim ist der Maler des Hochaltarbilds Chri¬stus als Tröster der Sünder (1679).
Weit verstreut liegen die Bauernhöfe von Möggers am grünen Nordhang des Daxenbergs und etwas dichter rund um die Pfarrkir-che St. Ulrich. Die einfache, reizvoll mit Blick auf See und Berge ge¬legene Kirche (1746) besitzt einen volkstümlichen Tragaltar mit dem Bild des Bauernheiligen Wendel in an der linken Chorseite. Auf einem stillen Fußweg von etwa zehn Minuten, erst durch Wiesen, dann durch Wald, kommt man zu einer oberhalb einer Lichtung idyllisch gelegenen Kapelle. Angeblich wurde sie 1005 an der Stelle erbaut, an der der heilige Bischof Ulrich von Augsburg während einer Rast eine Quelle entspringen ließ, die sich bald als wundertätig bei Augenlei¬den erwies. Diese Quelle befindet sich noch heute unter dem Altar und fließt außen in einen kleinen Brunnen. Der einfache Rechteck¬bau der Ulrichskapelle mit Dreiachtel-Chorschluß weist sich durch dickes Mauerwerk und ein kleines Rundbogenfenster an der Süd¬wand als romanisch aus, die übrige Ausstattung ist neugotisch aus der Zeit um 1890. Von hier aus kann man weiter zum Pfänder aufsteigen oder bergab über Eichenberg an den See zurückkehren.

Zwischen Lindau und Bregenz – bergauf und bergab

Kaum registriert man, von Lindau kommend, die Landesgrenze. Auch landschaftlich ändert sich nicht so viel, denn der Bergrücken des Pfänders zieht sich auf deutscher wie auf österreichischer Seite parallel zum Ufer des Sees dahin.
So manches, was Reiseführer Bregenz zugute halten, gehört ei¬gentlich nach Lochau, die Klause, die >Mili< genannte Badeanstalt im See und der Gipfel des >Bregenzer Hausbergs<, des Pfänders. Lochau ist ein langgezogenes Straßendorf, das erst 1873 mit dem Bau der Eisenbahn vom Ufer abgeschnitten wurde. Berühmt wurde cs während des Aufstands 1809 gegen die von Napoleon eingesetzte bayerische Besatzung, als von hier aus eine >Gebirgsmarine< mit fünf Schiffen Konstanz >eroberte< und mitsamt Oberamtskasse und fünf Kanonen zurückkehrte.
Direkt an der Uferstraße nach Bregenz liegt die ehemalige »schönstgelegene Kaserne Österreichs« unmittelbar am See. Auch wenn es kaum noch vorstellbar ist – sie war einst eines der elegante¬sten Hotels im weiten Umkreis. Bevor das Deutsche Reich es 1939 erwarb und >zackig< umfrisierte, besaß das von den Bregenzer Archi¬tekten Otto Mallaun und Willibald Braun 1910 errichtete Kaiser- Strand-Hotel einen Turm mit schön geschwungenem Haubendach, sanft gebogte Giebel, erkerartige Vorbauten und galt als Musterbei¬spiel einer reformierten Baugesinnung. Eine Wiederbelebung ist im Gespräch. Ein Stück weiter in Richtung Bregenz liegt das von einem Zwiebelturm flankierte Schlößchen Wellenstein aus dem 16. Jahr¬hundert, dessen Grundstück, wie der Name sagt, einst die Wellen des Sees berührte, ln den oberhalb in einer flachen Felsbank liegenden Höhlen hat man bronzezeitliche Siedlungsspuren nachgewiesen.
Ein legendärer Ort ist die Klause, eine über Jahrhunderte wichtige Grenzbefestigung, deren Mauern sich vom Klausberg bis an den See erstreckten. An einer Engstelle mit streng bewachten Doppeltoren und Zugbrücke kontrollierte sie allen Verkehr nach Bregenz. Ge¬blieben ist der efeuumrankte Klausturm, der noch Spuren der Zug¬brückenverankerung zeigt, einst Herzstück der Anlage, die 1831 mit dem Bau der Straße ihre Bedeutung verlor. 1862 baute ein Graf von Gravenreuth, Sohn des von Napoleon eingesetzten bayerischen Landeskommissärs, diesen Wachturm wohnlich aus und ließ ihn mit Zinnen wehrhaft schmücken.
Man kann Lochau zum Ausgangspunkt einer Rundfahrt über den langsam ansteigenden Pfänderkamm nehmen. Dazu fährt man in den Ort hinein, passiert zur Linken den Gasthof Adler, der 1790 als Gerichtshaus und entsprechend repräsentativ als Massivbau mit Mansarddach errichtet wurde, sodann die im schlichten Rundbo¬genstil 1843 erbaute Pfarrkirche.
Das schönste Baudenkmal Lochaus und eines von zwei Renais¬sance-Schlössern Vorarlbergs liegt in nordöstlicher Richtung etwas oberhalb des Orts. Schloß Hofen war einst Sitz des Rittergeschlechts der Herren von Raitenau, Ministerialen der Grafen von Montfort und Habsburgs, gefürchtet und berühmt als Landsknechtführer. Heute ist es Landesbildungszentrum. Möglicherweise haben Hans Gaudenz von Raitenau und sein Sohn Hans Werner ihr Schloß in Konkurrenz zum Palast der verwandten und verschwägerten Familie von Hohenems errichten lassen, freilich mit bescheidenerem An¬spruch. Der Zugang zu der von Mauern umschlossenen Anlage führt durch miteinander verbundene Ökonomiegebäude. Dahinter ragt das Schloß auf, leuchtend rot in aufsteigendem Gelände. In zwei Etappen nach 1585 bis 1616 entstanden die zwei stumpfwinklig auf-einandertreffenden Trakte. Die schmale Südseite ist mit geschweif¬tem Giebel und Eckerkern mit Zwiebelhauben zu einer Schaufront ausgestaltet, während das andere Gebäudeende von einer Kapelle eingenommen wird. Die langgezogene Hauptfassade ist mit Terra¬kotta-Rosetten an der weit vorspringenden Hohlkehle des Daches verziert. Die mit gotischem Rippengewölbe ausgestattete und des¬halb lange ins 15. Jahrhundert datierte Kapelle ist nach Baubefund gleichzeitig mit dem anschließenden Flügel um 1616 entstanden und im Gewölbe mit Heiligenfiguren und Arabesken im Stil der Renais¬sance ausgemalt. Sie enthielt einst den heute in der Bregenzer See¬kapelle bewahrten Renaissance-Altar (1615). Zugänglich ist sie nur auf Anfrage.

Kultur

Kultur reflektiert Geschichte. Ging es auf den vorhergehenden Sei¬ten um Vorarlberg insgesamt, geht es bei Kultur um jenen Teil, der in diesem Buch zum Reiseziel wird: den Raum Bregenz und das Rhein¬tal bis Dornbirn und Hohenems. Außer Betracht bleiben der Bre¬genzerwald und die Region um Feldkirch. Gerade letztere hat kultu¬rell gegenüber dem nördlichen Landesteil immer wieder dominiert.
Fragt man nach den Trägern Vorarlberger Kultur, zeigen sich deut¬liche Unterschiede zu anderen Regionen am See. Einen Bischof gibt es erst seit 1968 – in Feldkirch. So ragt hier keine Kathedrale auf wie am anderen Ende des Sees in Konstanz. Größtes Kloster im nördli¬chen Vorarlberg war die Mehrerau. Ihr romanischer Kirchenbau ist bis fast auf die Fundamente abgebrochen, ebenso wie der barocke, der im 18. Jahrhundert der einzige gewesen ist, der es an Pracht mit der Birnau hatte aufnehmen können. Ansonsten verbreiteten sich in Vorarlberg vor allem Bettelordens- und Frauenklöster, deren Klo- steranlagcn noch heute durch ihre Schlichtheit auffallen. Reich da¬gegen ist Vorarlberg an Burgen, es ist sogar eines der burgenreichsten Gebiete im deutschsprachigen Kulturraum. Allein sechs Burgen ver¬danken wir den Grafen von Montfort, 28 weitere ihren Dienstman¬nen. Sie liegen zumeist im Rheintal. Auch die Gründung der Städte Bregenz und Feldkirch ist den Montfortern zu verdanken. Der Mar¬tinsturm in Bregenz mit seinen Wandmalereien des 14.-15. Jahrhun¬derts gehört zu ihren schönsten kulturellen Hinterlassenschaften.
Arm wiederum ist Vorarlberg an standesherrschaftlichen Ritter¬und Adelsgeschlechtern und darum arm an herrschaftlicher Profan¬architektur. Allein die Grafen von Hohenems haben einen Palast er¬richtet, das Schloß Hofen ihrer Vettern von Raitenau in Lochau ist dagegen schon sehr viel schlichter. Reich gewordene und zu Adels¬titeln gelangte Bürger als Kulturträger werden vor allem mit der Bre¬genzer Familie Deuring faßbar. Ihr Schlößchen in der Bregenzer Oberstadt, die Seekapelle und der Silberaltar in St. Gallus sind schö¬ne Zeugnisse dieser Standeskultur. Die >Kultur der Untertanen«, am schlichtesten und deshalb immer am meisten gefährdet, zeigt sich vor allem in ihren Häusern, den schön gefügten Kopfstrickbauten der Rheintalhäuser (Rotes Haus in Dornbirn Abb. S. 277).
Wenn ein Gang durch die Jahrhunderte den Eindruck eines Lan¬des bestätigt, das zumeist arm war und selten politische und kultu-relle Zentralität besessen hat, muß man allerdings die Verluste be¬denken, die vor allem seit der Expansion von Wirtschaft und Be¬völkerung seit dem 19. Jahrhundert entstanden sind.
Aus karolingischer Zeit haben wir wenig mehr als zwei Flecht¬bandplatten aus Lauterach und der Mehrerau, von der romanischen Mehrerau die Fundamente, aus gotischer Zeit ein paar Chor- und Turmbauten in zumeist später barockisierten Kirchen. Große Bau-kunst der Gotik finden wir allein in Feldkirch. Etwas mehr ist an go¬tischer Plastik und Malerei erhalten, hier überwiegen schwäbische Importe aus Ulm und Memmingen. Kaum eines der Werke befindet sich noch >vor Ort<, entfremdet stehen sie im Vorarlberger Landes¬museum. Die Renaissance hat vor allem die erwähnten Schlösser in Hohenems und Hofen hinterlassen.
Reicher wird das Bild im Barock. Vorarlberg ist im 17. und 18. Jahrhundert ein Baumeisterland geworden. Von hier beziehungswei¬se aus Au im Bregenzerwald und seiner Umgebung stammen die Schöpfer barocker Kirchen- und Klosteranlagen an rund 400 Orten zwischen See und Donau, zwischen Böhmen und Elsaß. Architek¬ten, Maurer, Steinmetzen, organisiert in einer Zunft nach dem Vor¬bild mittelalterlicher Bauhütten, ausgcbildet nach strengen Regeln, fanden jedes Frühjahr zu großen wandernden Bautrupps zusammen, die erst im Herbst in die Heimat zurückkehrten. Mehr als 800 Na¬men aus wenigen Familien über mehrere Generationen hinweg sind bekannt: Beer und Kuen, Thumb und Mosbrugger. Ihr 40 Jahre lang variiertes Markenzeichen war die Wandpfeilerkirche, ihre Höchstlei¬stungen sind mehrteilige Sakralbauten aus Lang- und Zentralanlage wie in St. Gallen und Saalkirchen wie die Birnau. Allerdings: die mei¬sten Bauten Vorarlberger Baumeister sind fern der Heimat entstanden, kein Werk hinterließen hier die besten ihrer Zunft: Michael und Peter Thumb, Caspar Moosbrugger und Franz und Johann Michael Beer. Sehenswertes bleibt dennoch genug.
Wer im Umkreis von Bregenz und im Rheintal unterwegs ist, sieht sich quantitativ vor allem Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts ge¬genüber. Das so gern geschmähte 19. Jahrhundert wird dabei so manche Rehabilitation erfahren. Das Kapitel Industriekultur ist mit hervorragenden Beispielen besetzt, von der Spinnerei im englischen Stil in Kennelbach bis zur klassizistischen Fabrikhalle in Hard. Fremd ist uns zwar oft der naiv-fromme Sinn der Malerei des 19. Jahrhunderts, doch Gebhard Platz (1800-81) war neben Cornelius und Overbeck eines der wichtigen Mitglieder der römischen Künst- lerrepublil« der Nazarener gewesen, bevor er 1871 in seine Heimat zurückkehrte. Die bekannteste Vorarlberger Malerin des 19. Jahr¬hunderts allerdings, Angelika Kauffmann, hat ihr Leben in Rom und London verbracht.
Ausgehend vom k.u.k. Historismus der Jahrhundertwende, setz¬ten sich im 20. Jahrhundert moderne Elemente meist über den Ju-gendstil und die sogenannte Nationalromantik durch. Zeitgenössi¬scher waren oft die Bildhauer, die wie Albert Bcchtold und Herbert Albrecht kubistisch oder wie Emil Gehrer abstrakt arbeiten. Der Ma¬ler Rudolf Wacker (1893-1939) müßte eigentlich zu den Zentralfigu¬ren der Neuen Sachlichkeit gezählt werden.
Seit den 60er Jahren ist von einer Vorarlberger Bauschule überre¬gional mit Anerkennung die Rede. Zunächst entstanden, oft auf ge-nossenschaftlicher Basis, Wohnbauten, die die heimische Tradition des Holzbauens mit modernen kubischen Formen verbanden. Bald öffnete sich die Szene dem europäischen Dialog und neuen großen Aufgaben. Hans Purins Neue Mehrerau, das Hotel Martinspark von Baumschlager/Eberle in Dornbirn und nicht zuletzt Peter Zumthors Kunsthaus Bregenz sind Schlüsselbauten aktueller Architektur.

Osterreich am See

Landschaft und Geschichte
Mit gerade einmal 30 km Uferlänge hat Österreich Anteil am Bo¬densee. Dieses Uferstück gehört zu Vorarlberg, dem kleinsten öster¬reichischen Bundesland, deshalb liebevoll >Ländle< genannt. Wien liegt 500 km Luftlinie entfernt, jenseits der bis auf über 2000 m an¬steigenden Gebirgszüge, die erst seit 1884 mit dem Eiscnbahntunnel und seit 1978 mit dem Straßentunnel durch den Arlberg ganzjährig gut passierbar sind. Vier Fünftel seiner Landesgrenze teilt Vorarlberg mit der Schweiz sowie Deutschland, was politisch und kulturell im¬mer eine große Rolle gespielt hat.
Geologisch trifft man, wie rund um den See, meist auf Molasse¬schichten, die durch Eiszeit und Verwitterung sanft geformt sind. Doch vor allem hier bauen sie sich zu Bergen auf, aus denen mächtige Konglomerate (Nagelfluh) an Gebhardsberg und Pfänder emporragen. Harte Kalksteine dagegen formen den Rheintalrand. Im Rheintal woh¬nen die meisten Vorarlberger. Hier vor allem konzentriert sich >Netto- Vorarlberg<, d. h. die nach Abzug von Hochgebirgszonen und Steil¬hängen verbleibende Siedlungsfläche – gerade 11 % der Landesfläche.
Weit öffnet sich Vorarlberg zum See hin, hier ist es den Westwin¬den ausgesetzt und den von diesen mitgebrachten Niederschlägen. Spötter sehen im Namen Bregenz eine Klimabeschreibung – man müsse sich nur den ersten und letzten Buchstaben wegdenken. Im Winter ist es milder, im Sommer etwas kühler, auch Föhn gibt es hier häufiger als anderswo am See mit den Effekten blendenden Lichts und überwältigender Klarheit der Fernsicht.
Dort, wo Vorarlberg besiedelbar war, ist es uraltes Kulturland, das schon zur Bronzezeit von Handelswegen nach Oberitalien durch-zogen war. Zunächst waren Räter die vorherrschende ethnische Gruppe. Sic wurden jedoch durch den keltischen Stamm der Brigan- tier seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert nach Süden abgedrängt, bevor 15 v. Chr. die Römer beide Stämme unterwarfen. Der keltisch¬römischen Stadt Bregenz wurde ein Territorium von der Größe des heutigen Vorarlberg zugeteilt, das unter der Pax Augusta eine wirt¬schaftliche und kulturelle Blüte erlebte. Diese Blüte haben um 455 die Alemannen zerstört, die 536/37 im nördlichen Vorarlberg ein Herzogtum unter fränkischer Oberhoheit begründeten.
Vom 9. Jahrhundert bis 1150 bestimmte das ursprünglich fränki¬sche Geschlecht der Udalriche Vorarlbergs Schicksal, nach dessen Aussterben sodann die Nachkommen des erbberechtigten Pfalzgra¬fen von Tübingen. Diese nannten sich ab etwa 1206 Grafen von Montfort, doch stark, wie der Name suggerieren will, sind sie wegen dauernder Erbteilungen nur kurzfristig gewesen. Mit der Niederlage gegen Habsburg in der Schlacht von Göllheim 1309 begann die Ab¬hängigkeit, die 1337 mit einem >ewigen Bund< mit Österreich be¬kräftigt und 1390 schon im Sinne von österreichischer Landesherr-schaft besiegelt wurde. Als Habsburg 1523 auch noch den zweiten Teil der Herrschaft Bregenz erwerben konnte, war die Territorialbil¬dung in Vorarlberg abgeschlossen. Österreich wandte sein Interesse nun anderen Räumen im Osten zu. In den damit entstandenen Leerräumen der Macht konnten als einziges Vorarlberger Adelsge¬schlecht die Ritter von Ems vom 16. Jahrhundert bis 1765 ein eigenes Fürstentum etablieren.
Der Ausbau von Verkehr und Wirtschaft, dazu die verstärkte Su¬che nach regionaler Identität kennzeichnen das 19. Jahrhundert. 1918 erklärte sich das Land Vorarlberg für selbständig. Planspiele ließen sowohl das Aufgehen in einer Alpenrepublik wie einen An¬schluß an die Schweiz denkbar erscheinen – dafür plädierten 1919 gut 80% der Vorarlberger. 1938 stimmten fast genauso viele wie im übrigen Österreich für einen Anschluß ans Deutsche Reich. 1945 be¬reits konnte sich eine neue Landesregierung etablieren, und 1955 zog die französische Besatzung ab.
Überzeugte Österreicher zu sein und zugleich Distanz zu Wien zu bewahren kennzeichnet Vorarlberger Mentalität bis heute. Eigen¬ständigkeit fällt um so leichter, als Vorarlberg sich seit der Zwi¬schenkriegszeit zu einem wahren >Musterländle< entwickelt hat. Heute gilt es innerhalb Österreichs als das >reiche Land im Western. Dabei war es über Jahrhunderte ein armes Bauernland, arm an natürlichen Ressourcen, arm an kultivierbaren Flächen. Kam, wie häufig seit dem 17. Jahrhundert, zur Armut Bevölkerungswachstum hinzu, halfen oft nur Auswanderung und Saisonarbeit von Hirten und Erntehelfern. Noch 1914 boten Vorarlberger Hütekinder auf den Märkten in Friedrichshafen und Ravensburg ihre Dienste an.
Die Industrialisierung hat in Vorarlberg um 1760 begonnen. Bis 1990 war Textilindustrie sozusagen die >Leitindustrie<, erst seitdem ist mit Metall- und Elektroindustrie eine Diversifizierung eingetre¬ten. Vorarlberg ist ein wohlhabendes Land, die Arbeitslosigkeit ge¬ringer, die Geburtenfreudigkeit höher als im übrigen Österreich, und wie das Land blüht auch die Kultur.