Lindau im Bodensee 2

Ein Rundgang vom Hafen ins Zentrum und zurück
Der Hafen ist der >Haupteingang<, vom See her sollte man sich Lin¬dau nähern. Die Arme der Mole umfangen eher eng und schützend als einladend das Halbrund des Hafenbeckens, dessen Eingang vom Leuchtturm und dem mächtigen Löwenmonument (1) von 1856 ein¬gefaßt ist. Dieser 6 m hohe Löwe des Bildhauers Johann von Halbig (1814—82) ist auch Landeshoheitszeichen – wir sind in Bayern.
Hier am Hafen hat sich Lindau ab 1811 durch Abriß der Stadt¬mauern und Tore zum See hin geöffnet und dabei zum Glück den aus dem 13. Jahrhundert stammenden Mangturm (2) stehen lassen, der im 19. Jahrhundert sein buntes Pyramidendach erhielt. Die Stei¬ne der abgerissenen Befestigung und die des Klosters Mehrerau bei Bregenz, das von den bayerischen Besatzern Vorarlbergs 1808 zer¬stört worden war, wurden für den Bau der Mole verwendet. Bis 1856 wurde der Hafen erweitert und dabei durch Aufschüttung die kleine Insel der großen angegliedert, die als Römerschanze, von Mauern umgeben, den Hafen nach Osten hin abschließt. 1854 erreichte die Eisenbahn die Insel, und im gleichen Jahr eröffnete das erste große Hotel, der Bayerische Hof, der noch immer Bahnhof und Hafen sei¬ne biedermeierlichen Fassaden zuwendet. Heute reiht sich am Ufer Hotel an Hotel. Von Cafehausstühlen aus kann man das Panorama von See und Pfändermassiv bewundern. Hier sammeln sich die flie¬genden Händler, die Straßenmaler und Musikanten.
Was ist das Besondere an dieser Stadt? August von Platen fand 1816 »die Lage und Gegend von Lindau allerliebst«. Über die Stadt selbst allerdings schrieb er, sie sei »weder groß noch hübsch, die Straßen sehr enge, die Bauart ungleich«. Tatsächlich ist hier nicht allzu viel an großer Architektur zu finden. Wenn man dennoch vol¬ler Entzücken durch die Straßen geht, dann liegt es daran, daß man als das Besondere nicht die einzelnen Objekte, sondern deren Zu¬sammenhang erlebt. Man genießt Lindau als ein Gesamtkunstwerk aus Plätzen, Straßenbildern und Quartieren mit jeweils eigener Indi¬vidualität. Und es sind vor allem die dicht an dicht gereihten Bürger¬häuser, die die schönsten Ensembles bilden. Zumeist stammen sie aus dem 15. und 16. Jahrhundert über oft noch älteren Fundamen¬ten. Selbst während und nach dem Dreißigjährigen Krieg, als in den meisten Reichsstädten die Bautätigkeit erlahmte, haben Lindauer Bürger ihre Häuser – wenn auch überwiegend im Innern – verschö¬nert. So besitzen noch viele Gebäude gewölbte und geschnitzte Holzdecken und als Stütze zwischen den mehrteiligen Fenstern üp-pig verzierte Fenstersäulen. Auch im 18. Jahrhundert ist noch neu gebaut worden, notgedrungen, nachdem ein Brand einen großen Teil der Stadt zerstört hatte.
Der Rundweg beginnt am Reichsplatz nordöstlich des Mangturms, nähert sich über schmale Gassen dem historischen Zentrum am Markt, folgt dann der zentralen Maximilianstraße bis zum ältesten Teil Lindaus bei St. Peter und kehrt schließlich über die älteste Gas¬se der Stadt >In der Grub< zum Markt zurück.
Zunächst sollte man einen Blick in die schmale Dammgasse (3) werfen. Das schlichte, verputzte Fachwerkhaus Nr. 4 hat Horst Wolf¬ram Geißler als fiktiven Wohnsitz seines fiktiven Helden Augustin Sumser ausgesucht. In seinem Erfolgsroman (1921) verliebt sich >Der liebe Augustin< unglücklich in die junge Fürstäbtissin des Lin- dauer Damenstifts.

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Dem Reichsplatz (4), einst Fischmarkt, wendet das Alte Rathaus (s. S. 180) seine Rückseite zu. Hinter seinem spitzbogigen Portal be¬findet sich das Archiv und die als >geistige Rüstkammer< der evange¬lischen Reichsstadt 1538 begründete städtische Bibliothek, die zu den bedeutendsten am See gehört. Allein aus der Zeit vor 1800 be¬sitzt sie 18 000 Bände. Der Brunnen davor stammt von Friedrich von Thiersch (1852-1921) und Wilhelm Rümann und zeigt Lindavia, umgeben von den Personifikationen von Fischerei, Gartenbau, Schiffahrt und Ackerbau (1882/84).
Die rechts beginnende Ludwigstraße bildet zusammen mit der anschließenden Fischergasse die südliche der drei großen ostwest¬lich verlaufenden Straßen der ursprünglichen Stadtanlage. Statt¬liche Häuser (15. bis 17. Jahrhundert), deren Erkerreihen zu bei¬den Seiten ein lebhaftes Relief bilden, begrenzen den östlichen Teil des engen gekrümmten Gassenraumes. Die westlich folgende Be¬bauung ist zwar schlichter, doch kaum weniger malerisch. Um 1240 haben sich am Platz zur Rechten der Gasse Franziskaner, auch Barfüßer genannt, niedergelassen. Ihre Kirche mit langgezo¬genem Schiff (13. Jahrhundert) und Polygonalchor (1380) ist heute Stadttheater (5).

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