Kennelbach, Wolfurt und Bildstein – am Hang entlang

Am Bergfuß reihen sich die Dörfer und Kleinstädte. Ihre Kerne sind kompakt, hier mußte mit dem Boden haushälterisch umgegangen werden. Vor der Regulierung der Bregenzerach 1890 besaß Kennel¬bach kaum ebene Flächen. Kennelbach gilt als angenehme Wohnge- meinde, gelegen in der sonnigsten Ecke des unteren Rheintals am Fuß des steilen roten Absturzes der Kanzelfelsen, die so etwas wie den Rest einer ehemaligen Urlandschaft darstellen. Aus Nagelfluh besteht deren Gestein, und mit etwas Glück kann man darin Verstei¬nerungen von Pflanzen und Tieren finden. Von dem seit dem 13. Jahrhundert nachweisbaren Dorf ist wenig geblieben: Die Häuser >Im Klosterhofl Nr. 1 und 5 bei der Kirche gehörten wohl zum 1796 abgebrannten Kloster Hirschthal, der Wirtschaftshof stammt aus dem 17. Jahrhundert, das Wohnhaus mit verputztem Fachwerk im Kern wohl aus dem 16. Jahrhundert.

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Heute bezeichnet sich Kennelbach als Industriegemeinde. Kaum ein anderer Ort wurde stärker durch die Industrialisierung verändert. 1836 gründeten die Schweizer Unternehmer Jenny und Schindler am Ausfluß der Ach eine Baumwollspinnerei, die gegen Ende des Jahr¬hunderts zu den größten Textilbetrieben der k.u.k. Monarchie gehör¬te. Deren 1838 fertiggestelltes Gebäude – fünf Geschosse hoch, zwanzig Fensterachsen breit, vier Achsen tief unter Satteldach, der klassische Typus einer nach englischen Vorbildern erbauten Spinne¬rei, galt damals als »kolossalste Fabrik in ganz Vorarlberg«. 22 644 Spindeln, 62 mechanische Wcbstühle liefen unter ihrem Dach, be¬dient von einheimischen, bald auch aus dem Trentino zugewanderten Arbeitern, Erwachsenen, und – bis 1885 – auch Kindern unter zwölf Jahren. Anfangs hatte ein Arbeitstag vierzehn, 1902 noch zehn Stunden. Die weithin sichtbare Uhr an der Fassade bestimmte den Lebensrhythmus, und das anfangs nicht in Übereinstimmung mit der Dorfuhr, sondern nach willkürlicher Entscheidung der Fabrikher¬ren, die für den Ort die Rolle der Fürsten und Grafen übernommen hatten.
Die Kunstwissenschaft ist heute darin einig, Fabrikbauten als eines der Vorbilder für das Bauen im 20. Jahrhundert anzusehen, nicht zuletzt wegen ihrer Funktionalität und dem frühen Verzicht auf Ornament. Gropius erkannte an ihnen ein »architektonisches Gesicht von solcher Bestimmtheit, daß dem Beschauer mit überzeu¬gender Wucht der Sinn des Gehäuses eindeutig begreifbar wird«. Die von ihm geschätzte »große, knapp gebundene Form« kann man der Kennelbacher Fabrik nicht absprechen. Ihre Größe muß im Dorf des 19. Jahrhunderts überwältigend gewesen sein.
Kennelbach zeigt Fabrikarchitektur als gebauten Lebenszusam¬menhang. Beim seitlichen Zugang, am Fachwerk erkennbar, liegt das 1938-39 von Johann Anton Tscharner (1880-1955) für die Be¬legschaft errichtete Kameradschaftshaus, im hinteren Areal ein Ba-dehaus. Direkt neben der Fabrik steht noch heute die Villa Schind¬ler von 1845, erster Wohnsitz des Fabrikanten, baufällig, aber noch immer eindrucksvoll mit ihren hohen, zum ehemaligen Park sich öff¬nenden Fenstern und kunstvollen Balkongittern. Geht man von hier aus am 1838 angelegten Kanal entlang, kommt man zur Villa Grünau, heute Sitz der Gemeindeverwaltung, erbaut 1887 im Stil des Historismus mit Mansarddach und Turmerker. Rundherum war sie einst von einem Park mit Wäldchen, Teich und Grotte sowie ei¬nem Badehäuschen im maurischen Stil umgeben. Dank des Fabri¬kanten und Erfinders Friedrich Wilhelm Schindler wurde die Villa zum elektrischen Haus Jenny und Schindler richteten nicht nur Fabrik und Villen ein, sondern auch eine Fabrikschule (1854) und 1850 eines der ältesten Arbeiterzvohnhäuser in Europa. Es liegt unauffällig hinter der Post, ein schlichter zweigeschossiger Bau, der sich auf der Rückseite in rundbogigen Lauben öffnet, während zur Straße hin Nutzgärten und Schuppen für Kleintierhaltung lagen.
Das Wachstum der Gemeinde machte 1890/91 die Errichtung ei¬ner neuen größeren Kirche anstelle der baufällig gewordenen ehe-maligen Klosterkirche St. Johannes notwendig. Das auf Fernwirkung angelegte, an den Hang gebaute Gotteshaus, entworfen von Fidel Kröner, ist ein wenig bemerkenswerter neugotischer Bau. Seine Ver¬bindung mit der Industriegemeinde zeigt jedoch deutlich das Patro¬zinium des heiligen Joseph. Es wurde der Kirche ausdrücklich neu bewilligt, weil Fabrikarbeiter nur an einem sonntäglichen Heiligen¬fest – das des heiligen Joseph liegt regelmäßig auf dem dritten Sonn¬tag nach Ostern – teilnehmen konnten. Wenn man Kennelbach über die Langener Straße verläßt, wird man nochmals an die Fabrikher¬ren erinnert. Am Hang, mit Blick auf Kennelbach und seine Betrie¬be, hat Schindler 1909 von Otto Mallaun einen Aussichtspavillon, die Cosmus-Jenny-Ruhe, in klassizistischem Stil errichten lassen.

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