Kennelbach, Wolfurt und Bildstein – am Hang entlang 2

<p>Über eine &gt;wohle Furt&lt; durch die Bregenzerach, passierbar für Roß und Wagen, ging bis ins 16. Jahrhundert der Verkehr ins Ober¬land. Die Herren von Wolfurt waren ein reiches Rittergeschlecht. Sie führten Söldnerheere nach Italien, im 14. Jahrhundert gehörten ih¬nen 20 Burgen in Schwaben, der Schweiz und Ungarn, sie stellten Kirchenfürsten und waren um 1349 sogar Statthalter von Neapel und Apulien. Reste ihrer wohl im 13. Jahrhundert errichteten Burg, ein viergeschossiger Turm mit 1937 aufgesetztem Zinnenkranz, lie¬gen hoch über dem Ort. Spätere Erweiterungen der bis 1856 von Bregenzer Kaufleuten bewohnten Burg sind 1939 abgebrannt und von Angehörigen der Kennelbacher Industriellenfamilie Schindler wieder errichtet worden. Ihnen gehört das Haus noch heute. 1945 residierte hier die französische Militärkommandantur in Vorarlberg.<br />
Wolfurts Bauern waren bis um 1900 sehr arm. Ein alter Ortskern ist in der am Hang sich hinziehenden Bregenzer und Hofsteigstraße erkennbar. Hier stehen noch Gruppen kleiner giebelständiger Rhein¬talhäuser, deren Wohnteile meist verschindelte Blockbautcn oder verputzte Fachwerkbauten sind. Trotz des bäuerlich-dörflichen Ein¬drucks – Bauern gibt es hier nicht mehr. 1983 wurde die letzte Sen¬nerei abgebrochen. Dank Industrialisierung hat sich seit 1950 die Bevölkerung mehr als verdreifacht. Zu Wolfurt gehört der größte Güterbahnhof Westösterreichs.<br />

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Doch zwischen Tal- und Hangsiedlung liegen immer noch Welten. Schön erhebt sich die vom Friedhof umgebene Pfarrkirche St. Niko¬laus über dem alten Dorf. Als Baumeister gilt der vor allem durch seine Pläne für den Suezkanal berühmt gewordene Alois Negrelli (1799-1858), dem man in Hinblick auf seine zahlreichen Kirchen¬entwürfe einen kalten Ingenieurstil zum Vorwurf macht. Doch zu¬mindest was St. Nikolaus betrifft, ist ihm eine überzeugende klassi¬zistische Architektur gelungen. Doppelpilaster und Dreiecksgiebel gliedern die helle Fassade, Lünettenfenster die Schiffswände unter dem hohen Walmdach. Im Innenraum beeindruckt die Klarheit der Raumorganisation. Unter flacher Tonne sind die Wände mit Doppel¬pilastern geschmückt, den Choreinzug markiert das &gt;Palladio-Motiv&lt; der von Pilaster und Säule gestützten, von schmalrechteckigen Öff¬nungen flankierten Bogenstellung. Von dem aus Wolfurt stammen¬den Bildhauer Herbert Albrecht sind die strengen Skulpturen von Altar, Ambo, Tabernakel und Leuchter (1973). Ein Wolfurter war auch der Maler Gebhard Flatz (s. S. 240), von dem das ehemalige Hochaltarbild einer Krönung Mariens stammt (1827/1873, heute rechts im Chorraum). Auf ihm hat sich der Künstler mit Gattin und empfehlenden Heiligen selbst vor dem Hintergrund einer Ansicht seines Heimatorts dargestellt.<br />
Die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Bildstein liegt hoch über dem Rheintal. Schon von weitem sieht man ihre vergoldeten Turmspitzen leuchten, und weithin geht von ihrem Plateau aus der Blick über das Tal bis zum See. Gebetserhörungen und Mirakel, die einem gotischen, bis dahin in einer schlichten bäuerlichen Kapelle verehrten Marienbild zugeschrieben wurden, hatten zu einer Spen¬denflut geführt, die 1663 die Grundsteinlegung zu einem stattlichen Neubau möglich machte. Die sich schnell entwickelnde Wallfahrt sollte mit der von Rankweil zu einer der bedeutendsten in Vorarlberg werden. Eine 1682 gegründete Jesus-, Maria- und Josephs¬bruderschaft hatte 1690 bereits 40 000 Mitglieder.<br />
Die vom Bregenzer Stadtbaumeister Michael Kuen entworfene Kirche wendet dem weiten, als Versammlungsort für Pilger gedach¬ten Vorplatz eine sparsam gegliederte Fassade zu: flach, blockartig zusammengefaßt, der Mittelteil durch Überhöhung und Sandstein¬bänder hervorgehoben. Über diesem Block setzen die Türme an, erst quadratisch, leicht zurückversetzt, dann zum Achteck mit ge¬schwungener Haube sich verjüngend (1692 vollendet). Hinter einem zierlichen säulengcstützten Vorbau mit einem Rundbogenportal, dessen geschnitzte Tür im Stil der Spätrenaissance reich mit Mu¬schel- und Knorpelwerk verziert ist (um 1675), öffnet sich ein weiter flachgcdeckter Raum. Michael Kuen hat hier einen im 17. Jahrhun¬dert verbreiteten, jedoch in Vorarlberg erstmals aufgegriffenen Typus verwendet. In ihm sind ein Saalraum und eine Art Dreikonchenan- lage miteinander verbunden. Dreifach schwingt der Ostteil nach außen in weich geformten, flachen Nischen, die sich querschiffartig in ganzer Höhe zum Langhaus öffnen, und im halbrunden cingezo- genen Chor. Diese Raumlösung sollte fast ein Jahrhundert später in Birnau zur Vollendung finden.<br />
Hier fehlt noch die spätbarocke Verführung durch Dekoration, alles ist schlicht und flach gegliedert. Das stark überarbeitete, einst bekleidete, verehrte Gnadenbild (um 1390?) steht auf dem linken Seitenaltar. Dieser Barockaltar mit seinen blau gelüsterten Säulen ist, ebenso wie die beiden anderen, erst 1974 aus der aufgelassenen Kirche in Vandans hierher gekommen. Alle fügen sich gut in den Raum ein, dessen sonstige Ausstattung vor allem dem 19. und 20. Jahrhundert zu verdanken ist. Zum wertvollen älteren Bestand gehören die kleinen Silberreliefs (1702) des Bregenzer Gold¬schmieds Johann Georg Zwicklin (gest. 1732) in Ambo und Volksal¬tar. Die Szenen zur Kindheit Jesu waren einst in einem Silberaltar zu¬sammengefaßt, der nur an hohen Feiertagen aufgestellt wurde. Eine Nische an der linken Mittelschiffswand enthält eine Pieta mit einem schmerzvoll zusammengesunkenen Christus aus der gleichen Zeit. Die Ausmalung der Deckenfelder mit den sieben Freuden Mariens (1877-79), das Bild einer Anbetung der Hirten im Hochaltar (1895) wie die Taufe Christi (1869) im rechten Seitenaltar sind Werke der vielbeschäftigten Gebrüder Franz und Jakob Bertle. Unter der Em¬pore sind vor dem Verlassen der Kirche noch einige der erhaltenen, in naiver Erzählfreude gestalteten Votivtafeln zu entdecken, die die Wunderwirksamkeit des Gnadcnbildes bestätigen.<br />
Rund um die Kirche hat sich ein ganzes Ensemble zugehöriger Bauten entwickelt. Es beginnt mit den beiden verschindelten Häu¬sern zu Seiten des Platzes, dem Pfründhaus von 1685 und dem Pfarrhof von 1693/94, setzt sich fort im überdachten Frauenbrun¬nen (1697) unterhalb des Hügels, mit der 1887 gebauten Erschei¬nungskirche am Waldrand und weiteren Kapellenbauten an den Pil-gerwegen.</p>

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