Ein Abstecher nach Dornbirn und Hohenems 2

Die Ritter von Ems sind das einzige Vorarlberger Adelsgeschlecht, das den Versuch unternahm, ein eigenes Fürstentum in der Ausdeh¬nung der früheren Montfort-Herrschaft zu errichten. Als erfolgreiche Söldnerführer Habsburgs bei Kämpfen in Italien verheirateten sie sich mit Töchtern der Häuser Medici und Borromeo, wurden Nepo- ten des Papstes Pius IV. und erreichten 1560 die Erhebung in den Rcichsgrafenstand. Ihre Phantasie sah Hohenems als Residenz eines Staates der Emser.
Ihren 1562 begonnenen Palast legten sie als regelmäßigen fe¬stungsähnlichen Block mit kräftigen Eckrisaliten vor die Steilwand des Fclsbergs und bezogen diese Wand nach dem Bau zweier Seiten¬flügel 1604-10 durch eine Blendmauer in die nun regelmäßige Anla-ge um einen fast quadratischen Innenhof mit ein. Nicht zufällig kam hier ein italienischer Baumeister, der Lombarde Martino Longhi (gest. 1591), zum Zuge, der den Hof mit einer Blendgliederung dori¬scher Arkaden umgab, die sich an der Eingangsseite auf zweiseitige Treppenhäuser öffnet. Er schuf damit den nach der Landshuter Resi¬denz am reinsten italienisch geprägten Profanbau im süddeutschen Raum. Die Räume wurden mit niederländischen Tapisserien und Gemälden ausgestattet. Zum Palast gehörten bis an den Rhein rei¬chende Lustgärten – mit Lusthaus, Tiergehegen, Fischteichen -, in denen Feigen, Limonen, Zitronen, Pomeranzen, Granatäpfel wuchsen »und was dergleichen die heißen Lande Italiens abgeben« (Guler- sche Chronik 1616).

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Für die 1576 begonnene, durch einen Gang mit dem Schloß ver¬bundene Kirche St. Karl Borromäus übernahm der Lindauer Bild-hauer-Architekt Esaias Gruber d. j. die Bauleitung, der eine gro߬räumige Saalkirche mit einer ursprünglich hölzernen Kassettendecke errichtete. Nur die Fassade mit Gesimsen und Pilastern aus graugrü¬nem Sandstein stammt aus dieser Zeit. Die Figurennische über dem Portal enthält das Renaissance-Epitaph des Bauherrn Graf Jakob Hannibal und wurde erst 1796 hierher versetzt, als die Kirche ba- rockisiert und eingewölbt wurde. Die Flachtonne ist mit Deckenbil- dern Andreas Bruggers (1798) in klassizistischen Rahmen ge¬schmückt, die, beginnend beim Chor, das Abendmahl, das Trienter Konzil mit dem Grafen Jakob Hannibal und Karl Borromäus und eine Himmelfahrt zeigen. Der Hochaltar ist eine prächtige mehrge¬schossige Renaissance-Architektur, ein reines Bildhauerwerk in der Art eines Wandepitaphs. Er gilt als Arbeit Esaias Grubers. Die Haupt¬gruppe einer Marienkrönung ist ein Allgäuer Werk des 16. Jahrhun¬derts, die übrigen Figuren von Hans Dieffolt sind graphischen Vor¬lagen der Dürer-Zeit verpflichtet. Die Reliefs der verlorenen Seitenal¬täre im Chor, eine Grablegung (1610) und ein Gnadenstuhl (1626) stehen stilistisch dem Konstanzer Hans Morinck nahe. Elegante Selbstdarstellung noch im Tode zeigt das dem italienischen Ttypus des Tumba-Grabes mit liegender Figur folgende Grabmal Graf Kaspars (1635), das Hans Konrad Asper (um 1588-nach 1655) aus rotem und schwarzem Marmor schuf.
Die Grafen begründeten eine Bibliothek, in der 1755 und 1779 zwei Nibelungen-Handschriften entdeckt wurden, und die erste Druckerei Vorarlbergs, in der die berühmte Emser Chronik erschien. Sie ließen eine Marktstraße anlegen, eine Schwefelquelle fassen, um so etwas wie Fremdenverkehr zu beginnen, und siedelten 1617 ein jüdisches Ghetto an zur Förderung der Wirtschaft. Die jüdische Gemeinde hat sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert entwickelt und zählte vor 1938 etwa 20 Mitglieder, von denen nur wenige die NS-Zeit überleb¬ten. Juden- und Christengasse bildeten zwei getrennte Lebensberei¬che. Heute beginnt man das jüdische Viertel durch Kultur neu zu be¬leben: durch Wiederherstellung des Betsaals der ehemaligen Synago¬ge (bisher Feuerwehrhaus) und Einzug einer Musikschule und die Nutzung der jüdischen Schule als Bildungszentrum. Eines der an-spruchsvollsten Museen Vorarlbergs, das Jüdische Museum Hohen¬ems in der 1864 erbauten Villa Heimann-Rosenthal, dokumentiert das Leben dieser Hohenemser Bürger. Ihr stiller, seit dem 17. Jahr¬hundert belegter Friedhof liegt am südlichen Rand der Stadt.

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