Der Bodenseeraum

»Unsere Hügel sind harmlos. Der See ist ein Freund. Der Himmel glänzt vor Gunst. Wir sind in tausend Jahren keinmal kühn. Unsere sanften Wege führen überall hin. Wir schmeicheln uns weiter und wecken jede Stelle durch einen Kuß. Kirschen, Äpfel, Trauben und Birnen reichen sich glänzend herum. Zwischen wachsamen Heiligen lachen wir laut. Die Luft ist süß von Geschichte, von Durchdacht¬heit klar. Der Föhn malt auf Goldgrund die Nähe zur Unendlich¬keit.« (Martin Walser)
So klingt das »Heimatlob« von Martin Walser. Er ist am See geboren, er lebt am See und ist wohl unverdächtig, sentimental zu sein. Sei¬nem Urteil kann man sich anvertrauen. Landschaft, Geschichte, Kultur scheinen in diesem Lob so miteinander verbunden, als hätte vielleicht Landschaft besänftigend auf Geschichte eingewirkt, als wäre das Klima nicht nur gut für Äpfel und Birnen, sondern auch für die Kultur des Geistes und für die Frömmigkeit.
Bodensee, das ist zunächst eine 571,5 km2 große Wasserfläche, manchmal nebelgrau, manchmal blau oder schimmernd in den opa¬lisierenden Farben der Sonnenauf- und -Untergänge. Seine 265 km Ufer teilen sich drei Schweizer Kantone, zwei deutsche Bundeslän¬der und das österreichische Bundesland Vorarlberg. Und hinter den Ufern breitet sich aus, was als Bodenseeraum bezeichnet wird.
Wenn es darum geht, den Bodenseeraum zu definieren, wird es kompliziert. Die Historiker fassen ihn relativ weit, sie beziehen große Teile Oberschwabens, des Schweizer und österreichischen Rheintals bis Sargans mit ein und auch noch Liechtenstein. Doch selbst der Senior unter ihnen, Otto Feger, hat bekannt: »Die Frage, wie weit sich dieser Raum ausdehnt, ist weder leicht noch exakt zu beantworten.« Geologen sehen ihn schon enger, indem sie die stei¬len Ränder der Alpen zwar als Panorama, aber nicht als Teil der See¬landschaft gelten lassen. Die Fremdenverkehrsorganisationen wie¬derum argumentieren offiziell großräumig, ziehen sich dann aber konkret auf Teilräume zurück, deren spezielle Besonderheiten sie >verkaufen< müssen.
Politiker reden recht gern vom Bodenseeraum und fassen ihn ziemlich weit. Und tatsächlich gibt es viel Gemeinsames. Das be-ginnt bei der Lage an den Rändern dreier Staaten. Hier ist man >peripheriegestählt< seit Jahrhunderten. Doch wenn es im Groß-raum Europa um Wirtschaftsstandorte und Verkehrsanbindung geht, dann berührt es vitale Interessen der Region, ob Österreich mit seinen >Pickerln< eine Maut für Autobahnen erhebt oder wie viele Tunnels die Schweiz durch die Alpen treibt. Immerhin gibt es inzwischen Eisenbahnverbindungen im Taktverkehr rund um den See.
Gemeinsam ist allen das Ökosystem Bodensee. Vermutlich wäre es heute undenkbar, wie 1963-65 bei Bregenz, eine Öl-Pipeline unmit¬telbar am Ufer entlangzuführen. Das saubere Trinkwasser aus dem See erreicht rund vier Millionen Menschen, von der Intaktheit der Land¬schaft lebt der Fremdenverkehr und von der reinen Luft die High- Tech-IIndustrie, die sich vor allem am deutschen Ufer angesiedelt hat.
Gemeinsame politische Anliegen werden gern im Goldrahmen ge¬meinsamer Geschichte, einer gemeinsamen Kulturlandschaft am Bo- dcnsec präsentiert. Um diese Kulturlandschaft geht es in diesem Buch.

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