Ein Abstecher nach Dornbirn und Hohenems 2

Die Ritter von Ems sind das einzige Vorarlberger Adelsgeschlecht, das den Versuch unternahm, ein eigenes Fürstentum in der Ausdeh¬nung der früheren Montfort-Herrschaft zu errichten. Als erfolgreiche Söldnerführer Habsburgs bei Kämpfen in Italien verheirateten sie sich mit Töchtern der Häuser Medici und Borromeo, wurden Nepo- ten des Papstes Pius IV. und erreichten 1560 die Erhebung in den Rcichsgrafenstand. Ihre Phantasie sah Hohenems als Residenz eines Staates der Emser.
Ihren 1562 begonnenen Palast legten sie als regelmäßigen fe¬stungsähnlichen Block mit kräftigen Eckrisaliten vor die Steilwand des Fclsbergs und bezogen diese Wand nach dem Bau zweier Seiten¬flügel 1604-10 durch eine Blendmauer in die nun regelmäßige Anla-ge um einen fast quadratischen Innenhof mit ein. Nicht zufällig kam hier ein italienischer Baumeister, der Lombarde Martino Longhi (gest. 1591), zum Zuge, der den Hof mit einer Blendgliederung dori¬scher Arkaden umgab, die sich an der Eingangsseite auf zweiseitige Treppenhäuser öffnet. Er schuf damit den nach der Landshuter Resi¬denz am reinsten italienisch geprägten Profanbau im süddeutschen Raum. Die Räume wurden mit niederländischen Tapisserien und Gemälden ausgestattet. Zum Palast gehörten bis an den Rhein rei¬chende Lustgärten – mit Lusthaus, Tiergehegen, Fischteichen -, in denen Feigen, Limonen, Zitronen, Pomeranzen, Granatäpfel wuchsen »und was dergleichen die heißen Lande Italiens abgeben« (Guler- sche Chronik 1616).

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Für die 1576 begonnene, durch einen Gang mit dem Schloß ver¬bundene Kirche St. Karl Borromäus übernahm der Lindauer Bild-hauer-Architekt Esaias Gruber d. j. die Bauleitung, der eine gro߬räumige Saalkirche mit einer ursprünglich hölzernen Kassettendecke errichtete. Nur die Fassade mit Gesimsen und Pilastern aus graugrü¬nem Sandstein stammt aus dieser Zeit. Die Figurennische über dem Portal enthält das Renaissance-Epitaph des Bauherrn Graf Jakob Hannibal und wurde erst 1796 hierher versetzt, als die Kirche ba- rockisiert und eingewölbt wurde. Die Flachtonne ist mit Deckenbil- dern Andreas Bruggers (1798) in klassizistischen Rahmen ge¬schmückt, die, beginnend beim Chor, das Abendmahl, das Trienter Konzil mit dem Grafen Jakob Hannibal und Karl Borromäus und eine Himmelfahrt zeigen. Der Hochaltar ist eine prächtige mehrge¬schossige Renaissance-Architektur, ein reines Bildhauerwerk in der Art eines Wandepitaphs. Er gilt als Arbeit Esaias Grubers. Die Haupt¬gruppe einer Marienkrönung ist ein Allgäuer Werk des 16. Jahrhun¬derts, die übrigen Figuren von Hans Dieffolt sind graphischen Vor¬lagen der Dürer-Zeit verpflichtet. Die Reliefs der verlorenen Seitenal¬täre im Chor, eine Grablegung (1610) und ein Gnadenstuhl (1626) stehen stilistisch dem Konstanzer Hans Morinck nahe. Elegante Selbstdarstellung noch im Tode zeigt das dem italienischen Ttypus des Tumba-Grabes mit liegender Figur folgende Grabmal Graf Kaspars (1635), das Hans Konrad Asper (um 1588-nach 1655) aus rotem und schwarzem Marmor schuf.
Die Grafen begründeten eine Bibliothek, in der 1755 und 1779 zwei Nibelungen-Handschriften entdeckt wurden, und die erste Druckerei Vorarlbergs, in der die berühmte Emser Chronik erschien. Sie ließen eine Marktstraße anlegen, eine Schwefelquelle fassen, um so etwas wie Fremdenverkehr zu beginnen, und siedelten 1617 ein jüdisches Ghetto an zur Förderung der Wirtschaft. Die jüdische Gemeinde hat sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert entwickelt und zählte vor 1938 etwa 20 Mitglieder, von denen nur wenige die NS-Zeit überleb¬ten. Juden- und Christengasse bildeten zwei getrennte Lebensberei¬che. Heute beginnt man das jüdische Viertel durch Kultur neu zu be¬leben: durch Wiederherstellung des Betsaals der ehemaligen Synago¬ge (bisher Feuerwehrhaus) und Einzug einer Musikschule und die Nutzung der jüdischen Schule als Bildungszentrum. Eines der an-spruchsvollsten Museen Vorarlbergs, das Jüdische Museum Hohen¬ems in der 1864 erbauten Villa Heimann-Rosenthal, dokumentiert das Leben dieser Hohenemser Bürger. Ihr stiller, seit dem 17. Jahr¬hundert belegter Friedhof liegt am südlichen Rand der Stadt.

Ein Abstecher nach Dornbirn und Hohenems

Dornbirn ist die größte Rheintalgemeinde, die größte und zugleich jüngste Stadt Vorarlbergs (seit 1901), Messeplatz und Sitz von Rund¬funk und Fernsehen. In einem solchen Ort ist es sinnvoll, sich auf Naheliegendes zu beschränken, und das ist der engere Bereich um den Markt, der sich etwas zurückversetzt von der Durchgangsstraße als Fußgängerzone in sechs Straßen verzweigt. Im Mittelpunkt liegt das Wahrzeichen Dornbirns, das Rote Haus (1634), ein besonders schönes Rheintalhaus mit gemauertem Untergeschoß, darüber och- senblutfarben die Geschosse in Blockbauweise mit Rankenmalerei an den Fensterbrüstungen. Neben diesem >dörflichen< Schmuck¬stück steht die Pfarrkirche St. Martin, die größte klassizistische Kir¬che Vorarlbergs, 1840 von Martin von Kink (1800-77) errichtet nach dem Vorbild Schinkels. Sie wendet dem Platz einen strengen Säu-lenportikus zu, der im Dreiecksgiebel in leuchtendem Mosaik den Einzug Jesu in Jerusalem zeigt und an der zurückliegenden Ein-gangswand ein riesiges Wandbild mit dem Jüngsten Gericht – beides stammt von Josef Huber (1923/24). Im weiten, von einer Flachtonne überwölbten Innenraum sind die Bankreihen wie in einem Am¬phitheater dem modernen Volksaltar Herbert Albrechts (1969) zuge¬neigt. Der Tabernakelaufbau im Chor (1875) ist dem Sakramentsal¬tar in St. Peter in Rom nachempfunden. Eindrucksvoll fügt sich zur Pfarrkirche das 1880 im Palladio-Stil errichtete Pfarrhaus.

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In der Marktstraße wechseln sich klassizistische Villen und solche im Heimatstil mit Neubauten ab. In Nr. 33 befindet sich die Vorarl¬berger Naturschau, in der man sich über die Tier- und Pflanzenwelt des Landes informieren kann. Das Landeshauptmann-Rhomberg- Haus, 1798 von Marx Alois Luger erbaut und um 1900 mit Jugend¬stilornamentik >aufgeputzt<, ist das prächtigste Dornbirner Patrizier¬haus, das heute der Kultur gewidmet ist. Die gegenüberliegende Ka¬puzinerkirche hat ebendieser Landeshauptmann Rhomberg, zu¬gleich Textilfabrikant, als Dank für die Genesung seiner Frau 1894 gestiftet. Die neuromanische Kirche, deren Raum durch neue blaue Fenster in etwas geisterhaftes Licht getaucht ist, enthält im Chor ein Ölbild, das gut zur Stiftung eines Textilarbeitgebers paßt: es zeigt den Schutzpatron der Arbeiter, den heiligen Joseph, wie er einen ster¬benden Arbeiter auf die Autoritäten Papst und Kaiser verweist. Es ist ein Dokument des Zeitgeistes einer Epoche des aufstrebenden >see- lenverderbenden Sozialismus^
Eine >Vier-Sterne-Adresse< mitten im Zentrum (Mozartstraße), zu¬gleich ein aufregendes Stück zeitgenössischer Architektur, ist das Hotel am Martinspark, erbaut 1994-96 von den Architekten Baum¬schlager und Eberle. Dem einfachen horizontal gegliederten Funkti¬onsbereich ist über dem Eingang wie eine Großplastik der schwe¬bende Fischbauch< des Restaurants mit einer kupferverkleideten Haut angeschoben.
Zwei Ziele des industriellen Dornbirn seien lebhaft empfohlen. Das Industrie-Ensemble Gütle ist eine geradezu klassische Fabrikland¬schaft des 19. Jahrhunderts im engen Tal der Dornbirner Ach mit Stau¬wehr, Kleinkraftwerk, Spinnereigebäude (1864) und Arbeiterwohn¬haus (1870). Als 1868 eine neue Antriebsart mittels Hochdruck-Was- scrkraftanlage gefunden wurde, demonstrierte man die Innovation mit einer 60 m hohen Fontäne, die damals der höchste Springbrunnen Eu¬ropas war. In vornehmer Distanz, ein paar Ecken weiter, liegt die re¬präsentative Fabrikantenvilla Hämmerle (1892, Dr.-Waibel-Str. 14). An der Straße Richtung Hohenems kann man auf dem Gelände der Firma Fussenegger den letzten erhaltenen Trockenturm Vorarlbergs einer ehemaligen Bleicherei (1894) sehen, unter dessen Dachvor¬sprung einst lange Stoffbahnen zum Trocknen hingen.
Zwischen Dornbirn und Hohenems rücken Felswände immer näher an die Straße heran, und in deren Schutz und Schatten liegen Schloß und Kirche. Hohenems ist eine echte Residenzstadt, die einzi¬ge in Vorarlberg. Burgen und Schloß sind ihre Wahrzeichen. Burg Alt- Ems aus dem 12. Jahrhundert, auf einem Felscnrücken über dem hier nur zwei Kilometer breiten Rheintal gelegen, gilt mit ihren 600m Län¬ge als längste Burgruine fast des gesamten deutschen Burgengebiets. Die aus dem 14. Jahrhundert stammende Burg Glopper (Neu-Ems) zeigt heute noch das wehrhafte Gesicht der Zeit nach einem Wieder¬aufbau 1430. Sie wird zur Sommerzeit gelegentlich von der Familie des Grafen Waldburg-Zeil-Syrgenstein, Rechtsnachfolgern der Grafen von Hohenems, bewohnt, denen auch das Schloß im Tal gehört.

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Rheindelta und Rheintal 3

Ein Kapitel Industriekultur ist ein Stück weiter seewärts rechts der Uferstraße zu entdecken. Eine Baumallee führt auf die repräsentati¬ve neuklassizistische Fassade der Vorarlberger Kammgarnspinnerei zu, errichtet 1896 nach Plänen von Sequin Bonner. Hinter der histo¬risierend mit Rustikaquadern und Gesims dekorierten Front, Aus¬druck gestiegenen sozialen Selbstbcwußtseins der zweiten Unter¬nehmergeneration in Vorarlberg, verbirgt sich eine nüchterne Shed- dachhalle. Der Eingang überdacht mit stark profiliertem Dreiecks- gicbel die Uhr als Signet des Industriezeitalters. Sie nimmt die Stelle ein, die feudale Epochen dem Wappen Vorbehalten hatten. In dem heute von mehreren Firmen genutzten Gebäude ist auch das alterna¬tive Kulturzentrum Kammgarn untergebracht.

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Zum Komplex gehört die jenseits der Grünfläche liegende, fast im ursprünglichen Zustand erhaltene Arbeitersiedlung mit zwei Zeilen zweigeschossiger Mehrfamilienhäuser (1910-25). Durch Holzlager und Nutzgärten sind sie für eine weitgehende Selbstversorgung aus¬gestattet. Etwas abseits von der Siedlung liegen Meisterhäuser und ein Mädchenheim (1910).
Hard ist Heimathafen des 1913 in württembergischen Werkstätten erbauten Schaufelraddampfers Hohentwiel, der seit 1990 als tech¬nisches Denkmal von besonderer Pracht und Eleganz wieder über den See kreuzt, nachdem er 1962 als schwimmender Schrotthaufen bereits verlorengegeben war. Seine Wiederherstellung ist ein grenz¬überschreitendes Projekt gewesen. Heute freut sich jeder über den Anblick und das unverwechselbare >Tuten< dieses von hellen Son¬nensegeln beschatteten Halbsalondampfers, der als Radkastenzier das vergoldete württembergische Wappen trägt. Schon bei seinem Einsatz als Linienschiff 1913 war er »in der damaligen Künstler¬schaft« wegen der Ausstattung und künstlerischen Durchgestaltung eines solchen reinen Zweckschiffs geradezu gefeiert worden.
Schnell ist man von Hard oder Bregenz aus in der Weite der Rheinebene und ebenso rasch in den Dörfern am Hang. Deutlich un-terscheiden sich Landschaftsbilder und Siedlungsstruktur. Rund um Lauterach ist noch ein wenig erkennbar, wie das Rheintal einmal aussah. Hier gibt es das Naturschutzgebiet Lauteracher Ried, hier sind noch Eindrücke einer einst parkartig mit Eichen, Föhren und Birken gegliederten Landschaft zu gewinnen. Mächtige Solitär- eichen sind Überbleibsel einer alten Bewirtschaftungsweise. Sie wa¬ren den Schweinen Futterbäume und Schattenspender zugleich. Fast verschwunden ist die einst allen Rheindörfern gemeinsame Struktur als Hofraumsiedlung: locker gestaffelte einfache Bauten sind darin um Innenhöfe und Freiräume gruppiert, gelegentlich von Hecken umgrenzt und weiträumig von Äckern und Wiesen umgeben.
Spuren einer alten Römerstraße führen über mehrere Kilometer durch das Ried, die einer Nebenstraße bis in die Nähe der Pfarrkir-che. Das seit dem 9. Jahrhundert nachweisbare Dorf Lauterach be¬sitzt Reste eines alten Siedlungskerns mit Rhcintalhäusern im Unter¬dorf. Eine Flechtwerkplatte aus dem 8./9. Jahrhundert von einer Chorschranke der Kirche befindet sich im Vorarlberger Landesmu¬seum. Die heutige Pfarrkirche St. Georg ist ein äußerlich unauffälli¬ger neuromanischer Bau von 1878/79, dessen Saalraum jedoch von einer eindrucksvollen gewaltigen Holzfeldertonne überspannt wird. Von dem aus Feldkirch stammenden Maler Josef Huber (1858-1932), der cs mit seiner religiösen Monumentalmalerei zum Professor an der Münchner Akademie gebracht hat, stammen die Fresken (um 1890) am Chorbogen: eine Maria mit Kind im Seesturm links, Moses’ Zug durch das Rote Meer rechts und vier Kirchenväter an den Wandpilastern im Chor. Der pathetische Stil ist an barocker und mittelalterlicher Kunst orientiert.
Die Ebene des Rheintals unter Aspekten der landschaftlichen Schönheit zu beschreiben, ist weithin nur mit der Fernsicht auf die Berge zu rechtfertigen. Hier ist jeder Teil Resultat von Planung, der Fluß, die kanalisierten Bäche, die parzellierte Fläche, das System von Windschutzstreifen, die Straßen und zerfließenden Siedlungen. Die Orte haben es hier schwer, als gewachsene Ensembles wahrge¬nommen zu werden.
Lustenau, als Siedlung seit dem 9. Jahrhundert nachweisbar, seit 1395 dem Haus Hohenems verbunden und erst seit 1830 dem öster¬reichischen Reichsgebiet integriert, ist eine Streusiedlung mit einem verwirrenden, weitverzweigten Wegenetz inmitten von mit Obstbäu¬men bestandenen Wiesen. Hochstämmige Birnbäume, etwa entlang des Rheindamms, geben eindrucksvolle Silhouetten. Das noch im 19. Jahrhundert arme Bauerndorf ist heute mit etwa 20 000 Einwoh¬nern die größte Marktgemeinde Österreichs und Zentrum der Stickereiindustrie, was aber kaum spürbar ist, weil diese sich in mit¬telgroßen und kleinen Betrieben über den Ort verteilt. Ein nicht sehr großes, aber informatives Stickereimuseum dokumentiert den Hin¬tergrund von Lustenaus Wohlstand.
Was es im Ort zu besichtigen gibt, ist dennoch leicht zu finden. So liegen die ältesten Kulturdenkmäler an der links von der aus Bregenz kommenden Maria-Theresia-Straßc abbiegenden Hofsteigstraße. Die kleine barocke, mit Zwiebeltürmchen bekrönte Loretto-Kapelle wurde 1645 vom Hofammann Hans Hagen gestiftet, der sich mit Fa¬milie auf einem großen Bild von 1660 in der Kapelle hat darstcllen lassen. Hoch- und Seitenaltäre sind um 1760 entstanden. Aus dem 16. Jahrhundert stammt das im Stil eines Rheintalhauses mit Block¬bauweise im Wohnteil errichtete Ammannhaus mit seinen bemalten Klebdächern. Die beiden interessanteren Kirchenbauten liegen seit¬lich der den Ort passierenden Maria-Theresia-Straße. Die Pfarrkir¬che Zum göttlichen Erlöser Willibald Brauns von 1934-35 über¬zeugt bis heute durch eine sehr klare Baugestalt, die durch bald schmale, hohe, dicht gereihte, bald durch breite Rundbogenöffnun¬gen konsequent innen und außen gegliedert ist. Die Kirche der Hei¬ligen Peter und Paul, 1830 von Alois Negrelli entworfen, ist mehr¬fach umgebaut worden. 1206 und ein zweites Mal 1548 wurden ihre einst näher am Fluß gelegenen Vorgängerbauten »vom Rhein von Grund auf weggefressen«. Die Lustenauer wissen also, was es heißt, mit dem Rhein zu leben, und so hat hier ein besonderes Museum sei¬nen richtigen Ort: Empfohlen sei der Besuch der Rhein-Schauen, ei-ner sehr anschaulichen Dokumentation darüber, wie »die Technik uns von den Rheinlandschaften befreit« hat (E. Schmalzigaug 1980). Eine seit über 100 Jahren in Betrieb stehende Dienstbahn verbindet ein Museum, das die Geschichte des Rheintals, seine Hochwasser¬katastrophen, die Kraftwerks- und Brückenbauten zeigt und das, was an natürlichem Lebensraum übrigblieb, mit Werkplätzen und Baustellen der Internationalen Rheinregulierung entlang einer 30 km langen Strecke bis zur Rheinmündung in den Bodensee.

Rheindelta und Rheintal 2

Entlang der Seestraße liegen, von Gärten umgeben, einige schlich¬te niedrige Rheintalhäuser, das schönste aber ist das in der Dr.- Schneider-Straße Nr. 33. Das großenteils aus dem 18. Jahrhundert stammende zweigeschossige Haus ist im Wohnteil in Kopfstrickbau¬weise errichtet. Ein Kruzifix, ornamentale Sägemuster an der Vertä¬felung und Zugläden schmücken seine Fassade.
Wer sich für die seit den späten 60er Jahren zu Ehren gekommene moderne Vorarlberger Architektur interessiert, deren Kennzeichen die >fast zur Weltanschauung< gewordene Verwendung von Holz in Verbindung mit kubischer Form und großen Glasflächen geworden ist, besuche die 1979 als Gemeinschaftsprojekt von Bewohnern und Architektengruppe Cooperative entstandene Siedlung im Fang. Noch immer überzeugend ist die Verbindung eines kompakten Baukörpers mit fünf Wohneinheiten mit einem überdachten Innen¬hof, von dem aus man in die Häuser gelangt.

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Hard läge heute beinahe nicht mehr am Bodensee. Der nach der Regulierung schneller fließende Rhein hatte zunächst die hier parallel fließenden Wasser des Lustenauer Kanals und der Dornbirner Ache so stark zurückgedrängt, daß die Harder Bucht zu verschlammen drohte. Erst das Vorziehen und Erhöhen der Dämme an Rhein und Ach hat Hard nicht nur >gerettet<, sondern ihm zugleich ein großes Binnen¬becken und riesige ufernahe Erholungszonen geschenkt. Grünzonen, die zum See hin noch etwas den Charakter eines Auwaldes bewahren, hat Hard ähnlichen Maßnahmen an der Mündung der Bregenzer Ach im östlichen Uferbereich zu verdanken.
Hard, von der vielbefahrenen Bundesstraße zerschnitten und an dieser von aneinandergereihten Wohn- und Gewerbegebieten zersie- delt, hat sein mittelalterliches >Dorf< einst landeinwärts oberhalb der Straße besessen. Davon ist nichts erhalten. Doch ganz für sich am Rande der Bebauung liegt hier die Mittelzveiherburg. Ein grünes Schild Textilmuseum führt über die Abzweigung Alte Straße dort¬hin. Hinter ihr liegt frei das von Bergen begrenzte Rheintal. Die Mit¬telweiherburg ist die einzige Wasserburg Vorarlbergs, ihr Ringgraben allerdings wurde aufgefüllt. Nur etwa ein Viertel des ehemaligen Adelssitzes ist erhalten: ein schlanker, sich leicht verjüngender Rundturm mit Wendeltreppe und ein schmalrechteckiger dreige¬schossiger Trakt mit Satteldach. Der Haupttrakt und eine Mauer mit Ecktürmen wurden im 19. Jahrhundert abgerissen. Erbaut um 1570 von dem Bregenzer Juristen Hans Christoph Schnabel von Schön¬stein, bald danach im Besitz der Familie Deuring, von der das Wap¬pen über dem Portal stammt, geriet die Mittelweiherburg an wech¬selnde Besitzer, bevor der Elsässer Fabrikant Samuel Vogel hier 1794 Vorarlbergs erste Kottonfabrik mit Druckerei und Färberei begrün¬dete. Die Quelle des Dorfbachs sicherte die für diese Art Industrie nötige Wasserzufuhr. Doch die Nutzung des Dorfbachs durch die Färberei entzweite die Doribewohner Hards in die Partei >Hell<, die sich gegen eine solche wehrte, und >Trüb<, die vor allem die positiven gewerblichen Aspekte sah. Der erste ökologische Konflikt Vorarl¬bergs führte 1880 zur Einstellung des Betriebs. Eine Folge: entlasse¬ne Fabrikarbeiter, »welche nun in die Lage gesetzt werden, ihre Fa¬milien nicht mehr ernähren zu können, was eine Personenzahl von zirka 500 betrifft«. Heute erinnert hier ein Museum an dieses Kapitel Harder Geschichte.
Das seit dem 12. Jahrhundert zum See hin sich verlagernde Dorf hat sein Zentrum dort, wo Land- und Hofsteigstraße ineinander übergehen. Hier hat sich die wohlhabende Gemeinde an der seitlich abzweigenden Marktstraßc 1996 ein neues Rathaus geleistet, schiff¬sähnlich über spitzovalem Grundriß. Seine Qualitäten entfaltet das von den Architekten Albin Arzberger, Thomas Klas und Christian Lasser entworfene Gebäude vor allem im Innern. Hier ist die Kon¬struktion aus Glas und Metall transparent und klar, die Kombinati¬on mit warmem Holz überzeugend. Außen ist mit dem Zickzack und Grün der Wandverkleidung des Guten etwas zuviel getan, ln der Nähe liegen dicht beieinander die schönsten Häuser im Ort, unter anderen der um 1700 erbaute heutige Gasthof Krone mit seinem rei¬chen Zierfachwerk, seinem Rundbogenportal und zweiarmiger Freitreppe. Ein Stück weiter liegt an der Landstraße Nr. 4 ein 1936 im Typ des historischen Rheintalhauses mit >unhistorischem< Tür¬mchen errichtetes Wohnhaus. Sodann folgt als Nr. 8 ein teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammendes Rheintalhaus, ein echter Blockbau mit vertäfelten Wänden, profilierten Gesimsen und einer schönen barocken Haustür. Weitere, meist schlichte Rhcintalhäuser, aber auch stattlichere Wohnbauten im Heimatstil schließen sich im weite¬ren Verlauf der Landstraße an.
Beim neuen Bootshafen liegt die Pfarrkiche St. Sebastian, Nach¬folgerin einer Kapelle, die Gräfin Elisabeth von Hochberg, geborene Montfort 1430 aus Dankbarkeit für die Errettung aus Seenot gestiftet haben soll. Davon erzählt die 1852 datierte Kopie eines älteren Bil¬des, heute an der linken Mittelschiffswand. Von einem barocken Neubau (1684) sind nur der eingezogene Chor und ein Teil des Turms erhalten, das ncuromanische Schiff erbaute Leopold von Cla- vicini 1862-76. Die außen zeitüblich mit Rundbogenfriesen, Rund¬bogenfenstern und Wandlisenen gegliederte Kirche besitzt einen dreischiffigen Innenraum von großer Harmonie und Klarheit. Sand¬steinsäulen mit Akanthus- und Kreuzblumenkapitellen stützen Bo¬genarkaden, starke rundbogige Rippen rahmen den (1980 vermau¬erten) Chorbogen – hier hängt ein schönes Kruzifix von 1700 run¬de Apsiden begrenzen die Seitenschiffe. Über den 1980 von Hans Purin von historischem Ballast befreiten Raum spannen sich schein¬bar schwerelose Kreuzgratgewölbe.

Für mehr Infos: Halong Bucht

Rheindelta und Rheintal

Der Alpenrhein war einst ein Wildfluß, ein schöner launischer Vaga¬bund. Tief hatte ersieh in vorgeschichtlicher Zeit in den Felsengrund eingegraben und sein Bett mit Geschiebematerial aufgefüllt, in dem er sich ständig neu den Weg bahnte. Zwischen seinen mäandrieren- den Armen entstanden Inseln, neben ihnen Tümpel und Gräben, und in dieser Wildnis überlebte eine bunte Tier- und Pflanzenwelt. Angst und Schrecken erregte der Rhein vor allem zur Zeit der Schneeschmelze, wenn seine Wasser gefährlich anschwollen. Jahr¬hunderte dauerte der Kampf der Talbewohner gegen die >Wasser- wut<. Heute ist der >größte Wildbach Europas< gezähmt. Gemeinsam haben die Schweiz und Österreich 1888 mit gewaltigen Regulie¬rungsmaßnahmen begonnen, die sich noch weit ins 20. Jahrhundert erstreckten. Sic haben den Fluß begradigt, ihn dabei ein paar Kilo¬meter kürzer gemacht, und sie haben neues Kulturland erschlossen. Schnurgerade ziehen sich Fluß und Dämme durch das Tal, links und rechts dehnen sich Siedlungen, Industrieanlagen, Verkehrs¬schneisen.

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Doch unregulierte alte Rheinläufe sind noch zwischen Rheineck, Gaissau, Höchst und Fußach erhalten oder neu entstanden. Dieses Rheindelta, das größte Süßwasserdelta Mitteleuropas, ist Vorarl¬bergs wichtigstes Naturschutzgebiet. Erlen und Weiden begleiten die stillen Flußarme, auf den Streuwiesen wachsen Orchideen und an¬dere seltene Pflanzenarten, in den Schilfzonen brüten Haubentau-cher, Reiher und Rohrsänger, hier überwintern Brachvögel, Kormo- rane und manchmal sogar Singschwäne. Das Paradies ist gefährdet. Landwirtschaftliche Intensivnutzung ist hier ebenso riskant wie das Einstellen jeglicher Nutzung, die zur allmählichen Verwaldung führen würde – ein Balanceakt.
In dieser schönen, gefährdeten Landschaft liegt Gaissau. Seine konsequent mit spitzbogigen Elementen gestaltete neugotische Kirche St. Othmar wurde 1870 nach Plänen von Josef von Stadl errichtet. Bunt leuchten im Chor die 1952 von Hubert Berchtold (1922 bis 1983) geschaffenen Glasfenster mit Darstellungen von Salvator und Maria auf der linken, des Sündenfalls auf der rechten Seite. Im Ort sind hier und da zwischen Neubauten einfache Rheintalhäuser von Kleinbau¬ern und Handwerkern zu finden, so in der Rheinstraße. Ein ansehnli¬ches, 1672 datiertes Haus steht auch an der Hofackerstraße (Nr. 5). Über einem Keller, in dem einst ein Webstuhl stand, ist der Wohnteil in Kopfstrickbauweise errichtet, die liscnenartige Verschalung ist bemalt, Klebdächer gliedern den Giebel.
Nur der Rhein trennt das österreichische Höchst vom schweize¬rischen St. Margarethen. Lange war hier wie dort St. Gallen wich-tigster Grundherr. Erst Habsburger Rechte ab 1390 auf der einen Seite, Appenzeller Gebietsgewinne 1474 auf der anderen machten den Fluß zur natürlichen Landesgrenze. Um Höchst wurde noch bis 1612 gestritten, und für den genauen Grenzverlauf zwischen Schweiz und Österreich galt letztlich bis 1850 nichts Genaueres, als »daß eine Feder, die bei stillem Wetter inmitten des Rheins in den Bodensee schwimme, die rechte Mark von Österreichs Lan¬deshoheit stelle« (1567). Fährbetrieb und Fischfang haben die Höchster jahrhundertelang ernährt, und es gibt »etlige Hüser, dia ma mit dem Schmuggla verdienet hat«. Die erste Brücke wurde erst 1870 eröffnet.
Das mit Ausnahme des Zentrums noch ländlich wirkende, locker bebaute Haufendorf entlang der Bundesstraße fällt auf durch die im Verhältnis zur Gemeindegröße gewaltige Pfarrkirche St. Johannes. Sehr hoch und schmal strebt der Turm empor bis zu einer schlanken Zwiebel, ein mächtiges Dach überdeckt das in Chorapsis und Quer¬schiffen sich rund ausweitende Langhaus, dessen geschweifte Fassade mit aufwendigem Portal sich leicht nach außen wölbt: alles sehr ba¬rock, und doch barock >aus zweiter Hand<. Wie so manche andere Ge¬meinde hat sich Höchst zur Zeit seines Umbruchs vom Bauern- zum Industriedorf von einer schlichten Vorgängerkirche aus der Zeit um 1660 getrennt, um von dem Architekten Albert Rimli 1908-10 den größten neubarocken Kirchenbau Vorarlbergs errichten zu lassen. Bei allen Vorbehalten, die man gegenüber modernen Adaptationen von Barock und Rokoko empfinden mag, hier ist ein insgesamt sehr ge¬schlossen wirkendes Ganzes entstanden. Eine flache Stichkappenton¬ne überspannt einen zartfarbig ausgemalten, mit flachen Doppelpila¬stern gegliederten Raum. Ebenfalls zartfarbig sind die Kartuschen mit den Apostel- und Kirchenväterbildem von Otto Haberer-Sinner (1909) ausgemalt, und die großen Langhausbildcr mit Szenen aus dem Leben Jesu, die erst 1983 entstanden (K. Manninger). Und stimmig sind die in den 20er Jahren mit Ornamentik im Stil des Rokoko, je-doch mit eher nazarenisch wirkenden Figuren ausgestatteten Altäre. Solche leisen Stilbrüche im Detail, etwa auch in der Führung des Stucks, machen die historistische Anpassung erträglicher.

Kennelbach, Wolfurt und Bildstein – am Hang entlang 2

<p>Über eine &gt;wohle Furt&lt; durch die Bregenzerach, passierbar für Roß und Wagen, ging bis ins 16. Jahrhundert der Verkehr ins Ober¬land. Die Herren von Wolfurt waren ein reiches Rittergeschlecht. Sie führten Söldnerheere nach Italien, im 14. Jahrhundert gehörten ih¬nen 20 Burgen in Schwaben, der Schweiz und Ungarn, sie stellten Kirchenfürsten und waren um 1349 sogar Statthalter von Neapel und Apulien. Reste ihrer wohl im 13. Jahrhundert errichteten Burg, ein viergeschossiger Turm mit 1937 aufgesetztem Zinnenkranz, lie¬gen hoch über dem Ort. Spätere Erweiterungen der bis 1856 von Bregenzer Kaufleuten bewohnten Burg sind 1939 abgebrannt und von Angehörigen der Kennelbacher Industriellenfamilie Schindler wieder errichtet worden. Ihnen gehört das Haus noch heute. 1945 residierte hier die französische Militärkommandantur in Vorarlberg.<br />
Wolfurts Bauern waren bis um 1900 sehr arm. Ein alter Ortskern ist in der am Hang sich hinziehenden Bregenzer und Hofsteigstraße erkennbar. Hier stehen noch Gruppen kleiner giebelständiger Rhein¬talhäuser, deren Wohnteile meist verschindelte Blockbautcn oder verputzte Fachwerkbauten sind. Trotz des bäuerlich-dörflichen Ein¬drucks – Bauern gibt es hier nicht mehr. 1983 wurde die letzte Sen¬nerei abgebrochen. Dank Industrialisierung hat sich seit 1950 die Bevölkerung mehr als verdreifacht. Zu Wolfurt gehört der größte Güterbahnhof Westösterreichs.<br />

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Doch zwischen Tal- und Hangsiedlung liegen immer noch Welten. Schön erhebt sich die vom Friedhof umgebene Pfarrkirche St. Niko¬laus über dem alten Dorf. Als Baumeister gilt der vor allem durch seine Pläne für den Suezkanal berühmt gewordene Alois Negrelli (1799-1858), dem man in Hinblick auf seine zahlreichen Kirchen¬entwürfe einen kalten Ingenieurstil zum Vorwurf macht. Doch zu¬mindest was St. Nikolaus betrifft, ist ihm eine überzeugende klassi¬zistische Architektur gelungen. Doppelpilaster und Dreiecksgiebel gliedern die helle Fassade, Lünettenfenster die Schiffswände unter dem hohen Walmdach. Im Innenraum beeindruckt die Klarheit der Raumorganisation. Unter flacher Tonne sind die Wände mit Doppel¬pilastern geschmückt, den Choreinzug markiert das &gt;Palladio-Motiv&lt; der von Pilaster und Säule gestützten, von schmalrechteckigen Öff¬nungen flankierten Bogenstellung. Von dem aus Wolfurt stammen¬den Bildhauer Herbert Albrecht sind die strengen Skulpturen von Altar, Ambo, Tabernakel und Leuchter (1973). Ein Wolfurter war auch der Maler Gebhard Flatz (s. S. 240), von dem das ehemalige Hochaltarbild einer Krönung Mariens stammt (1827/1873, heute rechts im Chorraum). Auf ihm hat sich der Künstler mit Gattin und empfehlenden Heiligen selbst vor dem Hintergrund einer Ansicht seines Heimatorts dargestellt.<br />
Die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Bildstein liegt hoch über dem Rheintal. Schon von weitem sieht man ihre vergoldeten Turmspitzen leuchten, und weithin geht von ihrem Plateau aus der Blick über das Tal bis zum See. Gebetserhörungen und Mirakel, die einem gotischen, bis dahin in einer schlichten bäuerlichen Kapelle verehrten Marienbild zugeschrieben wurden, hatten zu einer Spen¬denflut geführt, die 1663 die Grundsteinlegung zu einem stattlichen Neubau möglich machte. Die sich schnell entwickelnde Wallfahrt sollte mit der von Rankweil zu einer der bedeutendsten in Vorarlberg werden. Eine 1682 gegründete Jesus-, Maria- und Josephs¬bruderschaft hatte 1690 bereits 40 000 Mitglieder.<br />
Die vom Bregenzer Stadtbaumeister Michael Kuen entworfene Kirche wendet dem weiten, als Versammlungsort für Pilger gedach¬ten Vorplatz eine sparsam gegliederte Fassade zu: flach, blockartig zusammengefaßt, der Mittelteil durch Überhöhung und Sandstein¬bänder hervorgehoben. Über diesem Block setzen die Türme an, erst quadratisch, leicht zurückversetzt, dann zum Achteck mit ge¬schwungener Haube sich verjüngend (1692 vollendet). Hinter einem zierlichen säulengcstützten Vorbau mit einem Rundbogenportal, dessen geschnitzte Tür im Stil der Spätrenaissance reich mit Mu¬schel- und Knorpelwerk verziert ist (um 1675), öffnet sich ein weiter flachgcdeckter Raum. Michael Kuen hat hier einen im 17. Jahrhun¬dert verbreiteten, jedoch in Vorarlberg erstmals aufgegriffenen Typus verwendet. In ihm sind ein Saalraum und eine Art Dreikonchenan- lage miteinander verbunden. Dreifach schwingt der Ostteil nach außen in weich geformten, flachen Nischen, die sich querschiffartig in ganzer Höhe zum Langhaus öffnen, und im halbrunden cingezo- genen Chor. Diese Raumlösung sollte fast ein Jahrhundert später in Birnau zur Vollendung finden.<br />
Hier fehlt noch die spätbarocke Verführung durch Dekoration, alles ist schlicht und flach gegliedert. Das stark überarbeitete, einst bekleidete, verehrte Gnadenbild (um 1390?) steht auf dem linken Seitenaltar. Dieser Barockaltar mit seinen blau gelüsterten Säulen ist, ebenso wie die beiden anderen, erst 1974 aus der aufgelassenen Kirche in Vandans hierher gekommen. Alle fügen sich gut in den Raum ein, dessen sonstige Ausstattung vor allem dem 19. und 20. Jahrhundert zu verdanken ist. Zum wertvollen älteren Bestand gehören die kleinen Silberreliefs (1702) des Bregenzer Gold¬schmieds Johann Georg Zwicklin (gest. 1732) in Ambo und Volksal¬tar. Die Szenen zur Kindheit Jesu waren einst in einem Silberaltar zu¬sammengefaßt, der nur an hohen Feiertagen aufgestellt wurde. Eine Nische an der linken Mittelschiffswand enthält eine Pieta mit einem schmerzvoll zusammengesunkenen Christus aus der gleichen Zeit. Die Ausmalung der Deckenfelder mit den sieben Freuden Mariens (1877-79), das Bild einer Anbetung der Hirten im Hochaltar (1895) wie die Taufe Christi (1869) im rechten Seitenaltar sind Werke der vielbeschäftigten Gebrüder Franz und Jakob Bertle. Unter der Em¬pore sind vor dem Verlassen der Kirche noch einige der erhaltenen, in naiver Erzählfreude gestalteten Votivtafeln zu entdecken, die die Wunderwirksamkeit des Gnadcnbildes bestätigen.<br />
Rund um die Kirche hat sich ein ganzes Ensemble zugehöriger Bauten entwickelt. Es beginnt mit den beiden verschindelten Häu¬sern zu Seiten des Platzes, dem Pfründhaus von 1685 und dem Pfarrhof von 1693/94, setzt sich fort im überdachten Frauenbrun¬nen (1697) unterhalb des Hügels, mit der 1887 gebauten Erschei¬nungskirche am Waldrand und weiteren Kapellenbauten an den Pil-gerwegen.</p>

Kennelbach, Wolfurt und Bildstein – am Hang entlang

Am Bergfuß reihen sich die Dörfer und Kleinstädte. Ihre Kerne sind kompakt, hier mußte mit dem Boden haushälterisch umgegangen werden. Vor der Regulierung der Bregenzerach 1890 besaß Kennel¬bach kaum ebene Flächen. Kennelbach gilt als angenehme Wohnge- meinde, gelegen in der sonnigsten Ecke des unteren Rheintals am Fuß des steilen roten Absturzes der Kanzelfelsen, die so etwas wie den Rest einer ehemaligen Urlandschaft darstellen. Aus Nagelfluh besteht deren Gestein, und mit etwas Glück kann man darin Verstei¬nerungen von Pflanzen und Tieren finden. Von dem seit dem 13. Jahrhundert nachweisbaren Dorf ist wenig geblieben: Die Häuser >Im Klosterhofl Nr. 1 und 5 bei der Kirche gehörten wohl zum 1796 abgebrannten Kloster Hirschthal, der Wirtschaftshof stammt aus dem 17. Jahrhundert, das Wohnhaus mit verputztem Fachwerk im Kern wohl aus dem 16. Jahrhundert.

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Heute bezeichnet sich Kennelbach als Industriegemeinde. Kaum ein anderer Ort wurde stärker durch die Industrialisierung verändert. 1836 gründeten die Schweizer Unternehmer Jenny und Schindler am Ausfluß der Ach eine Baumwollspinnerei, die gegen Ende des Jahr¬hunderts zu den größten Textilbetrieben der k.u.k. Monarchie gehör¬te. Deren 1838 fertiggestelltes Gebäude – fünf Geschosse hoch, zwanzig Fensterachsen breit, vier Achsen tief unter Satteldach, der klassische Typus einer nach englischen Vorbildern erbauten Spinne¬rei, galt damals als »kolossalste Fabrik in ganz Vorarlberg«. 22 644 Spindeln, 62 mechanische Wcbstühle liefen unter ihrem Dach, be¬dient von einheimischen, bald auch aus dem Trentino zugewanderten Arbeitern, Erwachsenen, und – bis 1885 – auch Kindern unter zwölf Jahren. Anfangs hatte ein Arbeitstag vierzehn, 1902 noch zehn Stunden. Die weithin sichtbare Uhr an der Fassade bestimmte den Lebensrhythmus, und das anfangs nicht in Übereinstimmung mit der Dorfuhr, sondern nach willkürlicher Entscheidung der Fabrikher¬ren, die für den Ort die Rolle der Fürsten und Grafen übernommen hatten.
Die Kunstwissenschaft ist heute darin einig, Fabrikbauten als eines der Vorbilder für das Bauen im 20. Jahrhundert anzusehen, nicht zuletzt wegen ihrer Funktionalität und dem frühen Verzicht auf Ornament. Gropius erkannte an ihnen ein »architektonisches Gesicht von solcher Bestimmtheit, daß dem Beschauer mit überzeu¬gender Wucht der Sinn des Gehäuses eindeutig begreifbar wird«. Die von ihm geschätzte »große, knapp gebundene Form« kann man der Kennelbacher Fabrik nicht absprechen. Ihre Größe muß im Dorf des 19. Jahrhunderts überwältigend gewesen sein.
Kennelbach zeigt Fabrikarchitektur als gebauten Lebenszusam¬menhang. Beim seitlichen Zugang, am Fachwerk erkennbar, liegt das 1938-39 von Johann Anton Tscharner (1880-1955) für die Be¬legschaft errichtete Kameradschaftshaus, im hinteren Areal ein Ba-dehaus. Direkt neben der Fabrik steht noch heute die Villa Schind¬ler von 1845, erster Wohnsitz des Fabrikanten, baufällig, aber noch immer eindrucksvoll mit ihren hohen, zum ehemaligen Park sich öff¬nenden Fenstern und kunstvollen Balkongittern. Geht man von hier aus am 1838 angelegten Kanal entlang, kommt man zur Villa Grünau, heute Sitz der Gemeindeverwaltung, erbaut 1887 im Stil des Historismus mit Mansarddach und Turmerker. Rundherum war sie einst von einem Park mit Wäldchen, Teich und Grotte sowie ei¬nem Badehäuschen im maurischen Stil umgeben. Dank des Fabri¬kanten und Erfinders Friedrich Wilhelm Schindler wurde die Villa zum elektrischen Haus Jenny und Schindler richteten nicht nur Fabrik und Villen ein, sondern auch eine Fabrikschule (1854) und 1850 eines der ältesten Arbeiterzvohnhäuser in Europa. Es liegt unauffällig hinter der Post, ein schlichter zweigeschossiger Bau, der sich auf der Rückseite in rundbogigen Lauben öffnet, während zur Straße hin Nutzgärten und Schuppen für Kleintierhaltung lagen.
Das Wachstum der Gemeinde machte 1890/91 die Errichtung ei¬ner neuen größeren Kirche anstelle der baufällig gewordenen ehe-maligen Klosterkirche St. Johannes notwendig. Das auf Fernwirkung angelegte, an den Hang gebaute Gotteshaus, entworfen von Fidel Kröner, ist ein wenig bemerkenswerter neugotischer Bau. Seine Ver¬bindung mit der Industriegemeinde zeigt jedoch deutlich das Patro¬zinium des heiligen Joseph. Es wurde der Kirche ausdrücklich neu bewilligt, weil Fabrikarbeiter nur an einem sonntäglichen Heiligen¬fest – das des heiligen Joseph liegt regelmäßig auf dem dritten Sonn¬tag nach Ostern – teilnehmen konnten. Wenn man Kennelbach über die Langener Straße verläßt, wird man nochmals an die Fabrikher¬ren erinnert. Am Hang, mit Blick auf Kennelbach und seine Betrie¬be, hat Schindler 1909 von Otto Mallaun einen Aussichtspavillon, die Cosmus-Jenny-Ruhe, in klassizistischem Stil errichten lassen.

Den Berg hinauf

Die Pfänderbesteigung gehört zum Pflichtprogramm, ob zu Fuß über die >Direttissima< des Gschliefwcgs, über Altreute, den Haggen oder den Fluh, oder mit der Pfänderbahn (27). Seit 1927 ist diese Bahn eine der Attraktionen am östlichen See-Ende. In sechs Minu- ten trägt sie einen auf die Höhe, von der aus sich die großartigsten Fernblicke bieten. Nach Osten schaut man auf das grüne, durch Felswände unterbrochene Auf und Ab des Bregenzerwaldes, manch¬mal bis zu den Landesgrenzen nach Tirol.
Nach Süden geht der Blick mit viel Wetterglück auf die Berge des Rätikon mit dem höchsten Punkt der Schesaplana (2967m) und ins Rheintal, nach Westen sieht man auf die Mündung des Rheins und auf den Bodensee in seiner ganzen Länge und Weite und Schönheit.

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Hier oben gibt es Gasthaus, Wildpark, Adlcrwartc und eine kleine Kapelle.
Denkbar als Abstecher vor der Besichtigung des Gebhardsbergs wäre ein Besuch von Fluh, mit dem die Stadt Bregenz ein eigenes Bergdorf besitzt. Der 724 m hoch auf einer sonnigen Terrasse über den Steilwänden des Pfändermassivs gelegene Ort hat nicht nur großartige Aussicht, ruhige Wanderwege, sondern auch eine neuba¬rocke Kirche von Baumeister Gabriel Mallaun (1847) aufzuweisen.
Sie ist dem Patron der Hirten, dem heiligen Wendelin, geweiht und zeigt diesen Heiligen in einer kräftig bewegten Figur der Erbauungs¬zeit, im Hochaltarbild von Matthäus Zehender (1693) und in einem Bild neben dem Seiteneingang, das in volkstümlichem Stil sieben Szenen aus Wendelins Leben schildert.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte der Gebhards¬berg seinen ersten Touristenboom. Ein neu angelegter Fußweg mit Allee führt seitdem auf den Berg hinauf. Noch immer ist er gut zu Fuß zu erreichen, mit dem Auto sind es vom Zentrum aus ein paar Minuten bis zu den großen Parkplätzen, von denen aus man dann aber noch ein Stückchen gehen muß. 590 m liegt der Gebhardsberg über der Stadt, ein nach zwei Seiten steil abfallender Bergsporn, idealer Standort für die Burg der Udalriche, die später Montforter Ei¬gentum, dann Sitz der Habsburger Vögte wurde. Diese bauten den Berg zur starken Festung aus, die sich dennoch 1647 im Dreißig¬jährigen Krieg kampflos den Schweden ergab. Sie veranstalteten bei ihrem Abzug ein gewaltiges Feuerwerk, indem sie das Schloß mit Mi¬nen in die Luft sprengten.
Von der Burganlage (11.-16. Jahrhundert) sind heute im wesentli¬chen nur die Ringmauern der Hochburg mit zwei Rondellen und Tei¬le des Palas (13. Jahrhundert) erhalten. Von Norden her betritt man das Areal durch einen zweigeschossigen Renaissance-Torbau zwischen halbrund vorspringenden Flankentürmen (um 1604), dar¬über liegt heute ein Restaurant. 1720 haben Eremiten in den ehema¬ligen Palas eine Kapelle eingebaut, die sich bald zum beliebten Wall¬fahrtsziel entwickelte. Die heutige Wallfahrtskirche (28), den Heili¬ gen Gebhard und Georg gewidmet, entstand nach einem Brand 1791 – einschiffig mit Satteldach und Glockentürmchen über dem Ein¬gang. Der Innenraum, von einer Stichkappentonne überwölbt, ist ein Bildersaal. Das von Raffaels Stanzen in Rom inspirierte Dekora¬tionssystem von Hanns Martin (gest. 1919) rahmt leuchtend bunte Bilder zur Lebensgeschichte des heiligen Gebhard: Gebhards Ein¬tritt in die bischöfliche Schule in Konstanz, die Grundsteinlegung des Klosters Petershausen, seine Heimkehr aus Rom mit den Reli¬quien des heiligen Papstes Gregor I. Das Bild im Chor zeigt den hei¬ligen Gebhard mit einer Ansicht von Bregenz und des Gebhards¬bergs, den man lange als Geburtsort des Grafensohnes (geb. 947), späteren Konstanzer Bischofs und Begründers des Reformklosters Petershausen angesehen hat – heute vermutet man ihn in der Bre¬genzer Oberstadt. Maler dieser detailreich erzählenden Szenen (1895) ist Gebhard Fugei (s. S. 169).

 

Rund um St. Gallus 4

Das vorletzte Ziel des Rundgangs ist die Zisterzienserabtei Mehr¬erau (26). Die Kirchenfundamente der 1097 von Petershauser Bene¬diktinern gegründeten Abteikirche hat man 1962 ausgegraben. Sie muß eine stattliche romanische Säulenbasilika mit geradem Chorab¬schluß nach Hirsauer Muster gewesen sein – der bedeutendste Bau dieser Epoche in Vorarlberg, ebenso wie es die 1740-43 an gleicher Stelle durch Franz Beer errichtete Saalkirche mit geschwungener Fassade für die Zeit des Barock gewesen ist. Diese wird eine Art Vor¬wegnahme der Birnau gewesen sein. Die Bayern haben sie während ihrer Besatzungszeit 1808 abgerissen und die Steine für den Bau des Lindauer Hafens verwendet. Die romanischen Fundamente sind heu¬te als eine Art Unterkirche begehbar. Von den Kunstwerken, die die einstige Grablege der Grafen von Montfort schmückten, findet man Reste in Thalbach, im allgäuischen Simmerberg, aus der einstigen Ba¬rockkirche Figuren und Chorgestühl in St. Gallus. Die Klosterbiblio¬thek wurde verschleudert, der Kirchenschatz fast vernichtet.

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Daß eine im >Münchner Rundbogenstib von Eduard von Riedel (1813-85) für die neuen Klostcrherren der Zisterzienser ab 1855 er-baute Kirche fast verschwunden ist, wird man angesichts des etwas dürftigen Turmes nicht bedauern. Sie steckt noch, kaum erkennbar, in den Mauern des Innenraums. Holzgewölbe und Wandgliederung wurden von Hans Purin 1961-64 entfernt bis auf das struktive Grundgerüst. Der offene Dachstuhl wurde in das Raumkonzept ein¬bezogen, dessen Schlichtheit sich gut mit dem Geist der romani¬schen Zisterzienserkirche in der Unterkirche verträgt. Etwas Neues ist entstanden mit den großen Rundfenstern, den schmalen Licht¬schlitzen im Obergaden und den zcllenartig hinter die rechte Mittel¬schiffswand zurückverlegten Seitenkapellen. Zur modernen Ausstat¬tung, die weitgehend von Hans Purin entworfen wurde und ein schwarz-weißes Marmortabcrnakel von Hans Arp (1887-1966) ein¬bezieht, kommen wie Solitäre kostbare alte Tafelbilder: der Flügelal¬tar des Durs von Aegeri von 1582 im Chor mit einem Passionszyklus, eine schwäbische Madonna um 1495 in der Gnadenkapelle unter der Orgel und weitere spätgotische Tafeln in den Seitenkapellen. Be¬sonders kühn ist die neue Westfassade mit der Betonplastik einer Apokalypse, 1963 geschaffen von dem Wotruba-Schüler Herbert Albrecht (geb. 1927).
Die Klostergebäude des 18. Jahrhunderts liegen als dreiflügliges Rechteck südlich der Kirche, nüchtern von außen, im Innern noch mit schönen Stukkaturen Peter Anton Mosbruggers ausgestattet. Süd- und Ostflügel wurden 1894 angefügt. Das angeblich beste Gymnasium von Bregenz, das Collegium S. Bernardi, liegt auf der Gegenseite des Hofes in den 1886 erweiterten ehemaligen Ökono¬miegebäuden. Bei Führungen kann man die Kongregationskapelle ansehen, ein Musterbeispiel eines durch frühchristliche Kunst be¬einflußten Historismus. Wie ein Teppich bedecken die in schweren Farben mit viel Gold von Franz Xaver Kolb (1827-89) ausgeführten Malereien die Wände. Sie zeigen Szenen aus dem Leben des heili¬gen Bernhard von Clairvaux und Darstellungen der Muttergottes als Patronin der Marianischen Kongregation.

Rund um St. Gallus 3

Für Fußgänger etwas mühsam zu erreichen, doch als Ziel zu emp¬fehlen ist die Kirche Mariahilf in Rieden-Vorkloster (20). Geplant als Kriegergedächtniskirche, hat sie 1924-31 Clemens Holzmeister (1886-1983) in einem Stil errichtet, der als Synthese von Bodensee- Barock und Moderne gedacht war. Ein rechteckiges, von Gemeinde¬bauten eingefaßtes Atrium ist einem riesigen, durch Pfeiler geglieder¬ten Kirchenoval vorgelcgt, vor dem ein in schwingenden Übergän¬gen sich verjüngender fünfgeschossiger Turm aufragt. Die architekto¬nische Verbindung von Versammlungsräumen und Kirche war eine bewußte Geste zur Förderung von Gemeinschaftsbildung in dieser Arbeiterpfarrei.
Entlang der Römerstraße kann man nun zum Stadtzentrum am Leutbühel zurückkehren. Zur Rechten liegt unübersehbar der als ei¬ner der ersten modernen Großbauten von Bregenz 1973-80 von Wilhelm Holzbauer (geb. 1930) errichtete Vorarlberger Landtag (21). Über Sockel ist er breit gelagert, in der Höhe gestaffelt, durch schmale vertikale Glasteilungen gegliedert. Edelbert Köbs poetische Hommage an Angelika Kauffmann von 1981 in weißem Marmor schmückt den Innenhof.
Nimmt man Lochau hinzu, kann man auf etwa 5 km Länge ungehin¬dert durch private Grundstücke das Seeufer spazierend oder radfah¬rend genießen und bei der Pipeline (inzwischen stillgelegt: die Öllei¬tung von Genua nach Ingolstadt entlang des Trinkwasserspeichers Bodensee) ein Bad im See nehmen. Oder man läßt sich auf die un¬nachahmliche Atmosphäre der Mili ein, der als U-förmiger Pfahlbau angelegten ehemaligen Militärschwimmschule (1825). In der entge¬gengesetzten Richtung endet der Weg in einem Naturschutzgebiet mit Auwald und Streuwiesen an der Achmündung. Dazwischen lie¬gen eine Flaniermeile mit Grünanlagen, Casino und Musikpavillon, eine Sportmeilc mit Schwimmbad und Jachthafen und eine Kul-turmeile mit Festspielhaus und Benediktinerabtei Mehrerau.
Am Anfang des Wegs steht eine liebenswerte Kuriosität. Der soge¬nannte Milchpilz am Rande der Anlagen, rot mit weißen Tupfen, ist ein harmloses Relikt der 50er Jahre. Dort bekommt man Milchge¬tränke und Käsesemmeln. Den Verkchrsplanern war er im Weg. Doch Abrißplänen hat sich heftiger Bürgerprotest in den Weg ge¬stellt, und so hat man ihn nur ein wenig verschoben.
Vom weit in den See reichenden Molo (22) aus hat man einen schönen Blick auf das ganze Ufer, den 1850 angelegten Hafen und die Seeanlagen. Mit ihnen versuchte man schon 1880 der Fehlent¬scheidung gegenzusteuern, die Eisenbahn 1872 am Ufer entlang ge¬führt zu haben. Der nahe Fischersteg ist eine anmutige Holzkon¬struktion, es folgen der Gondelhafen und das spitzgiebelige Sport- haus des Vcrkchrsvereins. Dieses halb als Villa, halb als Landhaus wirkende Fachwerkgebäude wurde als Treffpunkt der feinen Gesell¬schaft 1906 von Otto Mallaun errichtet.
Sodann folgt das Festspiel- und Kongreßhaus (23)! Tagsüber kann man dicht an der auf Stahlbetonsäulen im Seegrund veranker¬ten Seebühne (24) Vorbeigehen, ein wenig ernüchtert von der pro¬saischen Realität der Bühnenaufbauten, die man abends im Schein¬werferlicht verzaubert erlebt. Was 1946 im verzweifelten Mut der er¬sten Nachkriegszeit mit der Aufführung von Mozarts >Bastien und Bastienne< auf einer provisorisch auf Kieskähnen errichteten Bühne begonnen wurde, hat sich zu dem Großunternehmen >Bregenzer Festspiele< ausgewachsen. Drei Bühnen mit insgesamt 12 000 Thea¬terplätzen bilden heute das Festspielzentrum. Der gewaltige Beton¬bau von Willibald Braun Jr. (1980) hat 1997 von den Architekten Dietrich und Untertrifaller einen farblich dunkel abgesetzten Erwei¬terungsbau mit Werkstattbühne und einem Foyer mit Glasfront zum See erhalten. Dessen eindrucksvollstes Detail ist eine das Gebäude wie ein Riegel überspannende Stahlfachwerkkonstruktion für Tech¬nik und Zugänge.
Zu Fuß kann man dem Strandweg folgen. Für Besucher mit Auto sei ein Blick auf ein Gebäude an der Mehrerauer Straße Nr. 3-5 emp¬fohlen. 1892 haben hier die Stuttgarter Architekten Wittmann und Stahl die Wirkwarenfabrik Benger (25) in neugotischem Stil errich¬tet. Mit den Architekturzitaten Spitzbogen, Blendbogen, Turm und Erker wurde versucht, dem neuen Bautypus Fabrik das Prestige hi¬storischer Stile zu vermitteln, was hier so gut gelang, daß das Ge¬bäude zeitweise als Rathaus für Bregenz im Gespräch war.